Lifestyle

Neuer Hype in Hollywood: Intervall-Essen

Von Judith am Mittwoch, 13. Januar 2016 um 16:46 Uhr
In L.A. fängt schon die nächste Jahreszeit an: Award Season! Und damit beim Preisehochhalten die Stars auch eine gute Figur abgeben, essen jetzt alle in Etappen. Eine Diät, bei der man sensationell schnell abnimmt – und ordentlich Muskeln aufbaut.

Hollywoodstar Kate Hudson (36) weiß, wie man einen Körper bekommt, der nicht 08/15 ist: „Mit 16/8“, sagt sie. Und meint damit den heißesten Food-Trend, der zurzeit in L.A. grassiert: Intervall-Essen! 16 Stunden wird gefastet, 8 Stunden darf man essen, was man will. Oder anders: acht Stunden Schönheitsschlaf, den Magen bis mittags knurren lassen, zack, schon darf man wieder essen. „Es funktioniert, weil man nachts Fett verbrennt und durch das Fasten Muskelmasse aufbaut. Und ich schlafe wie ein Baby!“, schwärmt Hudson.

An einem Tag der Woche bleibt die Küche kalt. In diesen 24 Stunden gibt’s nur grünen Tee oder Brühe. Aber das war’s auch schon. Kein nerviges Kalorienzählen, kein Punktesystem, Timing ist alles. Denn die niedrigen Insulinlevel in den futterfreien Perioden bewirken, dass der Körper an seine Fettdepots geht – selbst wenn man die Kalorien, die man am Frühstück gespart hat, nachmittags wieder draufsattelt. Experten halten das Intervall-Fasten für die natürlichste Art zu essen. „Unsere Vorfahren hatten ja schließlich keine 24-Stunden-Supermärkte oder Kühlschränke, an denen sie sich jederzeit bedienen konnten“, sagt Valter Longo, Professor an der University of Southern California. Er ließ Mäuse (später auch Menschen) über kurze Zeiträume fasten und fand heraus, dass Muskelzellen durch die Stop-and-go-Diät besser versorgt wurden, während das besonders schädliche Bauchfett, also das, was sich um die Organe legt, auf wundersame Weise schmolz. Noch erstaunlicher: Der Alterungsprozess der Nager war deutlich verlangsamt! Der Grund: Stammzellen, die bis dahin brachlagen, hatten ihre Arbeit wieder aufgenommen und erneuerten fleißig das Gewebe. Unter anderem auch im Gehirn, was die Vierbeiner auch noch smarter machte. Was uns nach den Festtagen ganz gelegen kommt (unsere grauen Zellen scheinen ja noch im Portwein zu schwimmen).

Was genau ist Intervall-Essen?

Wie also funktioniert Intervall-Essen oder „intermittent fasting“, wie die Methode auf Englisch heißt? „Wenn wir erst nachmittags Kohlenhydrate zu uns nehmen, produziert der Körper kaum Insulin, ein Hormon, das wir brauchen, um Fett zu deponieren“, erklärt Foodcoach Robert Skinner. „Und solange das Insulin schläft, kann ein weiteres Hormon zum Zuge kommen: Glucagon. Glucagon ist unser Freund, es spaltet Fett, senkt den Blutdruck, und wir haben weniger Appetit“, so Skinner. Sein Buch „The IF Diet 2016“ verkauft sich gerade wie geschnitten Brot (übrigens: Brot darf man essen!). Skinner stellt darin neben der 16/8-Methode noch zwei weitere Möglichkeiten vor. Eine, bei der nur an jedem zweiten Tag gefastet wird und der 5:2-Ansatz – Liv Tyler outete sich jüngst als Anhänger: „Ich hatte keine Lust mehr auf fade Diäten.“ Hier wird fünf Tage die Woche normal gegessen, an zwei Tagen nur ein Viertel von dem, was man sonst vertilgt. Aber gibt es denn keine Verbote auf dem Einkaufszettel? „Na ja, Longo gab den Mäusen hauptsächlich gute Fette und komplexe Kohlenhydrate – und nur zehn Prozent Proteine“, sagt Skinner. „Was für viel Gemüse, Avocados, Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkornbrot und -pasta mit etwas Fisch, Eiern oder Huhn spricht.“ Worauf sich Intervall-Essen-Fans wie Lena Gercke, Jennifer Aniston (früher Atkins-Anhänger) oder Miranda Kerr aber gut einigen können. „Ich liebe Bitterschokolade und Pommes“, gestand Kerr vor Kurzem. „Aber das ist beim Intervall-Essen okay.“ Beauty-Doc und Buchautorin Adrienne Denese predigt das Kurzhungern schon seit einigen Jahren. Denn es soll auch schöne Haut machen. „Wenn man schläft oder über längere Zeit nichts isst, produziert der Körper Human Growth Hormone (HGH), ein Wachstumshormon, das nicht nur Fettzellen schmelzen lässt und den Muskelaufbau unterstützt, sondern auch feste, rosige Haut macht“, sagt die New Yorkerin. „Wenn man fastet, hat man fünfmal so viel HGH im Blut.“ In Deneses Kosmetikinstitut in der East 72nd Street lassen sich High-Society-Ladys, Modeschaffende, Banker und ältere Models das Wunderhormon sogar spritzen.

Was nicht unumstritten ist, da die hohe Dosis Knochen vergrößern kann. Dennoch ist Denese überzeugt: „Meine Kundinnen haben den Stoffwechsel einer 18-Jährigen!“ Und den kann man mit Sport – na, mit welchem? Richtig: Intervall-Training! – noch weiter ankurbeln. Kurze, ultraharte Trainingseinheiten zum Beispiel lösen einen tollen Nachbrenneffekt aus, der noch Stunden nach dem Workout anhält. Schauspieler Terry Crews („Urlaubsreif“) rät, vormittags auf leeren Magen zu trainieren. Denn dann hat der Körper nichts im Bauch, aus dem er Energie ziehen kann, er muss auf seine Fettspeicher ausweichen. Wenn man anschließend wieder isst, glaubt der ausgehungerte Körper, er müsse so viel wie möglich als Stärke in den Muskeln (und in der Leber) speichern. So erklärt sich auch der muskelaufbauende Effekt des Kurzzeitfastens.

Neben Hochintensivem Intervall-Training steht Crews aber auch auf CrossFit in Kombination mit Fasten. „Der Mix ist wirklich unschlagbar. Ich mache das jedes Wochenende und liebe es.“ Eine Gruppe kalifornischer Forscher arbeitet sogar daran, Intervall-Fasten als Therapie für Krebspatienten bei der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde, der Food and Drug Administration (FDA), anerkennen zu lassen. In einer Studie schraubten sie bei Erkrankten einmal im Monat die Kalorienzufuhr für fünf Tage auf ein Drittel herunter – was die Ausschüttung von IGF-1 unterdrückte, einem insulinähnlichen Wachstumsfaktor, der das Krebsrisiko erhöhen soll und die Haut schneller altern lässt. Und dann wird Intervall-Fasten sogar zum Heilfasten. Na los, worauf warten Sie noch?

TEXT: Annika Thomé