Lifestyle

Nie mehr topless am Beach – aus Angst vor Facebook

Von GRAZIA am Samstag, 16. August 2014 um 18:00 Uhr

Eigentlich kann ja jede Frau selbst entscheiden, ob sie sich oben ohne sonnen möchte. Doch das Internet lässt einem oft gar keine Wahl mehr.

Soll man oder soll man nicht - topless am Strand liegen? Diese Frage ist fast so alt wie der Bikini selbst und war eigentlich immer eine Sache des persönlichen Geschmacks und der eigenen Schamgrenze. Doch in den vergangenen Jahren ist für diese Entscheidung ein anderes Argument wichtiger geworden: die Angst davor, durch die Fotowut fremder Urlauber plötzlich halb nackt auf Facebook oder sonstwo im Internet zu landen!

In Zeiten, in denen alle alles um sich herum per Handykamera knipsen, ist eben auch die Gefahr größer, dass man ungewollt auf fremden Bildern landet. Und wer will schon auf den Facebook-Urlaubsbildern von irgendeinem Dennis oder Sven im Hintergrund liegen und Kommentare kassieren wie „Das Wasser ist ja wirklich schön blau, aber die Brüste der Frau hinten links gefallen mir noch besser“?

Noch schlimmer ist, dass immer mehr und mehr Handyspanner durch den Sand schleichen, knipsen und, schwups, Schnappschüsse mit ein bisschen nackter Haut auf irgendeiner Pornoseite landen. Dabei galt eine blanke Brust in der Sonne in den Sixties mal als sicheres Zeichen von Emanzipation. Eine ganze Generation kopierte Filmstar Brigitte Bardot, die die neue Freiheit in Saint-Tropez salonfähig gemacht hatte, und spätestens in den Achtzigerjahren hatten sich dann alle an die nackten Tatsachen jenseits vom FKK-Bereich gewöhnt.

Heute dagegen zeigt man sich überall erstaunlich zugeknöpft: Einer Umfrage zufolge gehen zum Beispiel in Frankreich, dem Mutterland der nackten Brüste, nur noch zwei Prozent aller Frauen unter 35 unverhüllt an den Strand, für die Hälfte der Frauen zwischen 18 und 24 ist dieser Gedanke „absolut unvorstellbar“. Ernst Schulten, Experte für soziale Medien an der Uni Aschaffenburg, kennt die Angst vor dem Web: „User versuchen sich immer besser zu schützen, das geht so weit, dass mehr Schwarz-Weiß-Pics -  also ohne echte Hauttöne -  hochgeladen werden.“

Nur: Über die Schnappschüsse Fremder hat man keine Kontrolle - zum Glück aber über das eigene Bikini-Top.

 

Text: Kalle Schäfer