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Online-Dating: Diese Dinge werden hier wirklich gesucht

Von GRAZIA am Freitag, 6. März 2020 um 09:36 Uhr

Online-Dating ist ein gigantisches Business, auf dem sich Millionen von Menschen tummeln – allein bei uns. Aber die suchen doch nicht alle nur die große Liebe, oder doch?

Hand aufs Herz: Wir alle haben doch irgendwann zumindest schon mal mit dem Gedanken gespielt, uns auf einem Datingportal anzumelden, ein schönes Profil zu erstellen, die typischen Fehler zu vermeiden und so einfach mal die Angel ins Wasser zu halten.

Doch was genau wollten wir da eigentlich? Es dürfte bei jeder, die es schon mal probiert hat, etwas anderes gewesen sein. Grund genug, mal zu untersuchen, was Menschen generell auf solchen Portalen suchen.

1. Gleichaltrige

In Deutschland gibt es nicht nur eine grundsätzliche Alterspyramide, sondern auch eine des Datings im Netz – die andersherum als die demographische Pyramide steht. Gemäß aktuellen Zahlen des Digitalverbands Bitkom sieht es folgendermaßen aus:

  • 41% der 16- bis 29-Jährigen,
  • 36% der 30- bis 49-Jährigen,
  • 34% der 50- bis 64-Jährigen,
  • 11% der Ü65-Jährigen,

haben schon mal Online-Dating gemacht. Das sind etwa 30 Prozent der gesamtdeutschen Ü16-Bevölkerung. Interessant: Die große Majorität bleibt, ganz gleich, was sie im Einzelnen sucht, in ihrer Altersklasse. Allerdings lässt sich häufig zumindest eine gefühlte Geschlechtergrenze ausmachen. Bei den Männern sind die Zahlen derjenigen, die jüngere Frauen suchen, deutlich präsenter als bei uns.

2. Seitensprünge

Ganz persönlich kann jede davon halten, was sie will. Allerdings ist es eine nüchterne Tatsache, dass sowohl Männer wie Frauen das Online-Dating häufig dafür nutzen, um Seitensprünge anzubahnen. Beim Portal C-Date zeigt ein großer Check, dass sogar ziemlich viele Mitglieder, vor allem weibliche, deshalb dort angemeldet sind – bei anderen Portalen ist der Anteil vielleicht weniger oder anders verteilt, überall ist er jedoch vorhanden.

Auf technischer Ebene ist das sogar verständlich: Dating-Portale ermöglichen ein zielgerichteteres Suchen nach Fremdgeh-Partnern. Denn, auch das ist eine Tatsache, die meisten FremdgängerInnen wollen nicht ertappt werden. Da ist jemand, der hunderte Kilometer entfernt wohnt einfach die "sicherere Wahl" als einer aus dem heimatlichen Umfeld, der einem vielleicht beim nächsten Einkaufsbummel mit dem Partner über den Weg läuft.

3. Etwas Hübscheres

Auch wenn es für manche unfair ist, die meisten Menschen teilen sowohl sich selbst wie vor allem ihr romantisches Gegenüber in Ligen ein, etwa die weitverbreitete 1 – 10 Einteilung. Machen wir ein Beispiel mit dem royalen Paar: Herzogin Meghan wäre vielleicht eine "7", ihr Gatte Harry mitunter nur eine "5" – natürlich sind solche Einteilungen immer höchst subjektiv.

Was uns allerdings überraschte, ist das, was eine US-Studie herausfand: Männer wie Frauen neigen im Online-Dating sehr häufig dazu "oberhalb ihres Levels" zu suchen. Im Schnitt kontaktieren sie Menschen, die um ein Viertel attraktiver sind als sie selbst. Als Gründe vermuten die ForscherInnen, dass man dabei (unwissentlich) nach einem Selbstwertgefühl-Boost sucht, der sich durch den erfolgreichen Kontakt zu einem deutlich attraktiveren Gegenüber einstellt.

4. Selbstbestätigung

Erinnern wir uns kurz an die Wortwahl aus dem Eingangstext: "Die Angel ins Wasser halten". Genau das ist es, was viele Menschen nämlich auf den Dating-Portalen tun. Sie melden sich an, staffieren ihr Profil aus. Aber sie wollen weder Partnerschaft noch Sex, nur Bestätigung.

Dabei arbeitet ein ähnlicher Mechanismus wie bei der Suche nach attraktiveren Menschen: Es ist einfach eine Streicheleinheit für die Seele, wenn man von vielen angeschrieben wird, die damit alle beweisen, dass sie interessiert an einem sind. Gilt allerdings unter UserInnen nicht als feine englische Art, weil das Anschreiben einer prinzipiell uninteressierten Person nicht nur Zeit vergeudet, sondern je nach Bezahlmodell des Portals auch Geld zum Fenster rauswirft.

5. One Night Stands

In der Welt des Datings gibt es viele Abkürzungen und Umschreibungen. Das war schon so, als alles nur per Zeitungsannonce lief und man beispielsweise durch "KFA" andeutete, dass man keine finanziellen Absichten hegte. Auch heute gibt es noch die Tinder Codes und Umschreibungen wie "Casual Dating".  

Klingt harmlos, wird von vielen Seiten angeboten und noch mehr NutzerInnen gesucht. Bedeutet im Klartext "Gelegenheitssex" oder eben One Night Stands. Damit bewegen sich solche Suchen oft auf dem schmalen Grad zwischen schnellem Sex und Fremdgehen – der einzige Unterschied ist meist das Vorhandensein bzw. die Abwesenheit eines (Offline-)Partners. Tatsächlich ist die Suche nach einer schnellen Nummer enorm populär – und hat ja auch mit Tinder gleich eine neue Art App erkoren, bei der allerdings nur weniger als ein Viertel der UserInnen tatsächlich auf Sex aus ist. Der Rest? Der sucht:

6. Zeitvertreib

Die allermeisten NormalverbraucherInnen nutzen die digitale Welt vor allem für eines: Beseitigung von Langeweile. Kein Wunder also, dass dieses Bestreben sich nicht nur auf Instagram, Nachrichten oder Spiele beschränkt, sondern sich auch auf Dating-Seiten erstreckt.

Viele UserInnen dort suchen weder die lebenslange Liebe noch den minutenlangen Quickie. Sie suchen einfach nur Leute, mit denen sie quatschen können. Seelenverwandte, Gleichgesinnte, Menschen zum Diskutieren. Auch das verwundert nur wenig: Dadurch, dass die meisten Menschen ja ihr Dating-Profil sehr umfangreich bestücken und die Suchfunktionen der Portale maximal personalisierbar sind, ist es eben auch ein Leichtes, jemanden zu finden, mit dem man bloß reden kann.

7. Harter Sex

Vielen Menschen geht es auch bei der Suche nach Seitensprung- und Casual-Sex-PartnerInnen nur um "Standardsex"; darum, sich und seinem Körper etwas zu gönnen. Allerdings sollte man nicht unterschätzen, wie viele Menschen (auch) sexuelle Interessen hegen, die von der Beliebtheits-Schnittmenge unserer mitteleuropäischen Kultur mehr oder weniger weit entfernt sind. Wer einen kleinen Vorgeschmack haben will, sollte sich die beliebten Statistiken der Porno-Plattform Pornhub ansehen. Da finden sich auch die Vorlieben der Deutschen.

Praktiken also, die weniger verbreitet ist und bei denen es deshalb unwahrscheinlich ist, auf andere Weisen jemanden zu finden, der ebenso darauf steht. Das kann ein Pärchen in mittleren Jahren sein, das einen "Toy Boy" in den 20ern sucht, kann ein Mann sein, der eine Frau sucht, die ihm ordentlich den Hintern versohlt – alles, was man sich unter dem Oberbegriff Fetisch vorstellen kann, hat wahrscheinlich jemanden, der es gerne ausüben würde.

Allerdings: Derartige Suchen finden in aller Regel nicht auf normalen Dating-Portalen statt, sondern auf solchen Plattformen, in denen es explizit ausschließlich um Sex geht.

8. Die große Liebe

Wer nach all diesen Punkten schon geneigt war, den Glauben an die Liebe zu verlieren, darf die Ohren wieder aufstellen. Ja, natürlich gibt es auf den Plattformen auch Menschen, die dort nach jemandem suchen, mit dem sie Bett, Tisch, Herz, Träume und alles dazwischen teilen können.

Und: Das mag zwar auf einigen Portalen nur eine Minderheit sein. Aber was das plattformübergreifende Suchinteresse angeht, ist die Liebe nach wie vor der wichtigste Triebmotor für das Erstellen und Durchsuchen von Profilen. Und zwar so sehr, dass mittlerweile etwa ein Viertel aller Paare sich im Netz kennenlernen. Auch online gilt eben "Love is all you need".