Lifestyle

Stilvoller Abschied: Das tragen wir zum letzten Geleit

Von GRAZIA am Mittwoch, 7. Oktober 2020 um 09:27 Uhr

„Stil ist eine Art zu zeigen, wer du bist – ohne sprechen zu müssen.“ – Rachel Zoe, die bekannte US-amerikanische Stylistin, fasst es zusammen. Mit Kleidung drücken wir aus, wer wir sind, auch in den vermeintlich schwierigsten Situationen. Eine Beerdigung gehört zweifelsohne dazu, denn die Wahl der richtigen Kleidung beim letzten Geleit stellt sich häufig als Herausforderung dar. Darf es auch ein Farbtupfer sein oder sind tatsächlich Grau und Schwarz angesagt? Erlaubt ist, was gefällt – vor allem, was dem Verstorbenen gefallen hätte.

Dresscode für die Damen: Schwarz ist nicht gleich Schwarz

Bei einer Beerdigung geht es darum, den Toten zu ehren und standesgemäß zu verabschieden. Abhängig von Religion und Kultur fallen die Beerdigungen allerdings ganz unterschiedlich aus. Während sie in Deutschland und anderen europäischen Ländern häufig von Schwere getragen und die Trauergäste in dunklen Farben ausstaffiert sind, sieht es in anderen Ländern bunter und vor allem fröhlicher aus.

Black Business – klassisch elegant zur Beerdigung

Damen tragen bei Beerdigungen häufig das, was sie beispielsweise auch im Büro als Business Outfit ausführen würden. Dazu zählen schwarze Kleider, ein Hosenanzug oder ein dunkles Kostüm. Gern darf es auch ein Accessoire in Form eines Tuches sein. Midiröcke mit Muster sind ebenfalls eine gute Wahl, denn auf einer Beerdigung sollte es auch nie zu sexy zugehen und die Knie bedeckt sein. In, aber nicht zu auffällig.

Wie die richtige Trauerbekleidung aussehen soll, gibt meist die Einladung zur Beisetzung vor. Ist nichts weiter angegeben, hat der Deutsche Knigge Rat ein paar Anmerkungen zu dem Thema. Laut dem Vorsitzenden des deutschen Knigge-Rats, Jonathan Lösel, haben Farben eine Symbolwirkung. Der Klassiker ist und bleibt schwarz. Es steht symbolisch für Trauer und vereint die Trauergemeinde.

Wer keine schwarzen Sachen besitzt, sollte jedoch zumindest versuchen in der Farbfamilie zu bleiben. Statt dunklen Braun- oder Blautönen, empfiehlt sich eher grau oder anthrazit.

Trauer in anderen Ländern

Andere Länder, andere Sitten – denn während in Deutschland und anderen europäischen Ländern gedeckte Farben und möglichst wenig Haut die Devise sind, wird eine Beerdigung in Afrika ganz anders zelebriert.

In Afrika feiern die Menschen nicht den Tod, sondern das Leben des Verstorbenen. Deshalb sind farbenfrohe Kleidung sowie Gesang und Tanz wesentlicher Bestandteil der häufig andauernden mehrtägigen Party. Die Familie kommt zusammen, erinnert sich an Anekdoten und begleitet den Verstorbenen liebevoll durch Lachen und ausgelassene Stimmung in den Tod.

Auch in Mexiko werden die Toten auf besondere Art und Weise geehrt. Beim Tag der Toten, Día de Muertos, ziehen die Familienmitglieder sowie Freunde durch die Straßen und feiern ihre verstorbenen Seelen. Der Besuch auf dem Friedhof gehört dazu, denn dort werden bunte Blumen und andere farbenfrohe Accessoires niedergelegt.

Der Día de Muertos wird fast wie ein Karneval zelebriert © Foto von Filiberto Santillán von Unsplash
Der Día de Muertos wird fast wie ein Karneval zelebriert © Foto von Filiberto Santillán von Unsplash

Erlaubt ist, was dem Verstorbenen gefällt

Mittlerweile hat sich das Bild von Beerdigungen und ihres Ablaufes auch in Deutschland gewandelt. Zwar laufen die meisten Beisetzungen nach wie vor nach dem gleichen, von dunklem Trauerflor getragenen Schema ab, allerdings bestehen auch Ausnahmen.

Verstorbene wünschen sich beispielsweise, dass ihre Beisetzung farbenfroh und fröhlich ablaufen soll. Statt zu trauen und zu weinen, sollen die Hinterbliebenen das Leben feiern und sich voller positiver Gedanken an den Verstorbenen erinnern.

Wer ebenfalls möchte, dass seine Trauerfeier nach seinen ganz individuellen Vorstellungen stattfindet, sollte dies zu Lebzeiten kundtun und ebenfalls im Testament hinterlegen oder mit Freunden oder der Familie darüber sprechen.

Früher an den Tod denken: die Nachlassregelung beachten

Das Ableben ist für viele ein negativ behaftetes Thema, dennoch sollten wir uns zu Lebzeiten damit befassen. Was geschieht mit meinem Nachlass, wenn ich sterbe? Damit keine Fragen offenbleiben, lohnt es sich, bereits zu Lebzeiten ein Testament aufzusetzen. Eine Testament-Checkliste hilft dabei, das Wichtigste zu beachten und alle rechtlichen Schritte einzuhalten.

Ohne ein gültiges Testament ist die Regelung des Nachlasses häufig kompliziert, wenngleich natürlich rechtliche Grundlagen dafür bestehen. Wer allerdings Personen speziell beschenken und ihnen beispielsweise ein lieb gewordenes Kleidungsstück vererben möchte, sollte dies im Testament festhalten

Digitales Vermächtnis regeln

Durch die zunehmende Digitalisierung ist es auch empfehlenswert, das Vermächtnis auf den sozialen Netzwerken und anderen digitalen Plattformen, Cloud-Diensten und Co. zu regeln. Lange gab es Streitfragen dazu, wie beispielsweise der Facebook-Account eines Verstorbenen bei der Nachlassregelung behandelt wird. Durch ein Urteil des Bundesgerichtshofes gibt es nun Klarheit. Um unnötige Streitigkeiten oder Auseinandersetzungen der Erben zu vermeiden, empfiehlt sich die Aufnahme der Regelung zum digitalen Vermächtnis im Testament.

Wo sollte das Testament aufbewahrt werden?

Der letzte Wille kann entweder individuell handschriftlich oder durch einen Notar verfasst werden. Erstellt der Notar das Testament, wird es dort auch aufbewahrt und in einem zentralen Register erfasst. Wer das Testament hingegen selbst verfasst, sollte es sicher aufbewahren und vor allem Angehörige darüber informieren. In der Praxis kommt es häufig dazu, dass ein Testament gar nicht gefunden wird, da die Angehörigen oder Freunde nicht wissen, dass es existiert und zu Lebzeiten irgendwo achtlos in der Schublade verstaut wurde.

Wird das Testament durch Zufall entdeckt, ist es bindend, wenn eine eigenhändige Unterschrift des Verstorbenen darauf ersichtlich ist. Gibt es kein Testament, greift die gesetzliche Regelung, sodass das Erbe entsprechend aufgeteilt wird.

Dürfen Personen aus dem Testament ausgeschlossen werden?

Auch wenn es einige Angehörige nicht immer wahrhaben wollen: Es ist möglich, bestimmte Personen vom Nachlass auszuschließen. Allerdings muss der Testamentsverfasser diese Personen namentlich nennen und kann nicht nur mit einem Spitznamen verfassen, dass beispielsweise „Puppi“ das geliebte Kleid aus dem Nachlass nicht bekommen soll. Soll das Kind beispielsweise das Kleid nicht bekommen, heißt es besser „Meine Tochter XY“.

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