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Wie werde ich glücklich? Ein Interview mit Happiness-Forscherin Hilke Brockmann

Von Claudia am Donnerstag, 29. Mai 2014 um 17:00 Uhr
Because I'm Happy...! Für viele Menschen ist das Streben nach Glück zu einer Lebensaufgabe geworden. Doch wie werde ich eigentlich glücklich und bleibe es auch und was hat das alles mit dem "Prinzessin auf der Erbe-Syndrom" zu tun? Wir haben bei der Coca-Cola Happiness-Forscherin Prof. Dr. Hilke Brockmann nachgefragt.

Prof. Dr. Hilke Brockmann ist nicht nur Soziologin und Beiratsmitglied des Coca-Cola Happiness Instutitut - sie trägt außerdem den Titel Happiness-Forscherin. Wow, wenn jemand weiß wie man glücklich wird, dann wohl sie. Wir haben die Expertin gefragt, warum viele Menschen immer unglücklicher werden und wie man sich das Glück auch nach der Hochzeit bewahrt. 

Sie sind Happiness-Forscherin. Wie sind Sie zu diesem Titel gekommen und was fasziniert Sie an den damit verbundenen Themen?

Ein chinesischer Student brachte mich auf das Thema. Er wollte den Übergang vom Kommunismus zur Marktwirtschaft in China und in Ostdeutschland anhand des Glücksempfindens der Menschen vergleichen. Das fand ich spontan spannend und sinnvoll. Und da Wissenschaftler frei sind, sich Themen anzunehmen, die sie für wichtig erachten, bin ich im Laufe der Jahre zu einer passionierten Happiness-Forscherin geworden.

 

Was bedeutet eigentlich Glück und glücklich sein?

Das ist eine uralte Frage. Die heutige empirische Forschung versteht darunter die emotionale und kognitive Bewertung des eigenen Lebens oder bestimmter Lebensbereiche als positiv und befriedigend.

 

Warum wirken viele Menschen unglücklich und unzufrieden?

In der neuen Happiness-Studie des Coca-Cola Happiness Instituts, an der ich mitgewirkt habe, sprechen wir von dem "Prinzessin auf der Erbse“-Syndrom. Wir werden immer unzufriedener, obwohl es uns immer besser geht. Denn: Mit den vielen neuen Möglichkeiten, die uns das moderne Leben bietet, steigen auch unsere Ansprüche.

 

Ist es nicht einfach glücklich zu sein?

Doch durchaus, aber man muss es richtig angehen. Denn zum einen ist das Glück kein konstanter Zustand, den man einfach so konservieren kann. Und zum anderen muss man sich die richtigen Vergleichsmaßstäbe aussuchen. Es ist nicht ratsam, sich mit Topmodellen zu vergleichen.

 

Müssen Menschen in einer Beziehung sein, um vollkommen glücklich zu werden?

Der Mensch ist ein soziales Wesen, wenige Menschen sind gern dauerhaft allein. Zum Glücklich sein bedarf es aber nicht zwangsläufig einer Paarbeziehung. Ein weiteres Ergebnis unserer neuen Happiness-Studie zeigt, dass die "gefühlte“ Familie an Bedeutung gewinnt. Das sind selbst gewählte Beziehungen aus Familienmitgliedern, Freunden, Gleichgesinnten. Eben dort, wo wir echtes Interesse und Fürsorge finden.

 

Verliebt, verlobt, verheiratet und dann? Wie erhält man sich das Glück in seiner Partnerschaft?

Das Rezept für eine dauerhaft erfolgreiche Ehe besteht aus vielen Zutaten, die wohl jedes Paar individuell zusammenstellen muss. Nur so viel: Achtsamkeit gegenüber sich und seinem Partner, geteilte und besondere Erlebnisse sind wichtige Bausteine zu mehr Glück.

 

Glauben Sie, dass die Menschen ihrem Glück oft selbst im Weg stehen? 

Ich weiß nicht, die Menschen sind ja oft gar nicht so unglücklich. Ob man dann noch Spielraum nach oben hat, kann man selber ausprobieren. Wechseln Sie doch mal die Perspektive. Anstatt zu sagen„Das geht nicht“, sagen Sie einfach „Das geht NOCH nicht“. Schauen Sie nicht nach denen, die mehr haben, sondern auf die, die weniger besitzen. Konzentrieren Sie sich nicht auf Ihre Schwächen, sondern auf Ihre Stärken. Spüren Sie den Unterschied, dann spürt es Ihr Partner auch.

 

Wie erkenne ich selbst, ob ich glücklich oder unglücklich in meiner Beziehung bin? 

Wenn ich mich nicht wohl fühle und meine mir über den Zustand meines Privat- oder Liebeslebens bewusst werden zu müssen, dann besteht grundsätzlich Handlungsbedarf. Authentizität ist ein Schlüsselbegriff in der Lebensfreudeforschung. Wenn ich nicht ich selbst sein kann in einer Beziehung, verdient die "Partnerschaft“ eventuell ihren Namen nicht. Wie oft man Sex hat, kann man sogar zählen.

 

Wie geht man am besten mit den großen Erwartungen in Hinblick auf den Hochzeitstag um? 

Perfektionismus steht der Lebensfreude im Weg. Gestehen Sie sich und anderen Fehler zu – dann können Sie Unvorhergesehenes auch spontan "abfedern“ und bestenfalls darüber lachen. Spontaneität und Humor sind Grundpfeiler der Lebensfreude. Wer aus seinem Hochzeitstag "den perfekten Tag“ machen will, macht sich das Leben unnötig schwer.

 

Was für eine Rolle spielt das eigene Bauchgefühl in Herzensangelegenheiten? Oder sollte man lieber alles immer wieder rational durchdenken?

Da wäre ich wieder bei dem Begriff Authentizität – wer bin ich und wie will ich leben? Wir sind, weil wir fühlen und denken. Heute leben wir in einer Gesellschaft, in der wir ziemlich frei unsere Beziehungen wählen können und uns aus ihnen lösen, wenn wir merken, dass sie uns nicht gut tun. Ich denke, dieses Privileg haben nicht viele Menschen auf der Welt. Wer nach seinem Bauchgefühl gehen kann, sollte die Chance nutzen, aber auch wissen, dass wir unsere zukünftigen Gefühle nicht gut vorhersagen können. Folgen Sie also Ihrem Bauchgefühl und entscheiden Sie sich um, wenn es sich nachher schlechter anfühlt als gehofft.

 

Wie schaffe ich mir selbst Glücksmomente im Alltag?

Wir beobachten, dass mit den sozialen Medien und der ständigen Erreichbarkeit die Angst entsteht, etwas verpassen zu können. Doch unsere Zeit ist begrenzt. Durchschnittlich haben wir am Tag 3 Stunden und 49 Minuten freie Zeit. Ein Tipp: Fangen Sie nicht an, diese zu "optimieren“, das heißt mit möglichst vielen vielversprechenden Aktivitäten zu verplanen. Pures Nichtstun dient der geistigen Regeneration. Wer einfach mal nichts vorhat, kann spontaner entscheiden. Und Spontaneität ist ein weiterer Baustein für Lebensfreude.

 

Wann sind Menschen am glücklichsten? Am Hochzeitstag oder morgens beim Kaffee trinken?

Beim Küssen, beim Sex, beim Essen, aber nicht unbedingt am Hochzeitstag.

 

Macht Nicht-glücklich-sein krank?

Es gibt Studien, die belegen, dass wir in lebensfrohen Momenten Glückshormone ausschütten und diese eine positive Wirkung auf unser Immunsystem haben. Lebensfrohe Menschen sind aktiver, sozial besser integriert, sie treiben häufiger Sport – alles Eigenschaften, die uns psychisch wie physisch stärken. Aber auch nicht glücklich sein gehört zum Leben und ist eine wichtige Erfahrung. Entscheidend ist nur, dass wir nicht ständig unglücklich oder depressiv sind.

 

Was macht Sie persönlich glücklich?

Ganz vieles: ein Sommertag im Schwimmbad, eine Wanderung in der Natur, tanzen, meinen Kindern eine Freude bereiten oder eine lange Arbeit endlich abschließen.

 

Prof. Dr. Hilke Brockmann ist Happiness-Forscherin

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