Fashion

Mission Undercover: Eine Liebeserklärung an Lingerie

Von Linnea am Donnerstag, 21. Juli 2016 um 09:59 Uhr

Dessous sind die persönlichsten Stücke, die man am Körper tragen kann. Doch oft wird diese intime Beziehung zugunsten der Bequemlichkeit vernachlässigt, bedauert GRAZIA-Autorin Susanne Kaloff. Höchste Zeit, die (pardon) Hosen runterzulassen!

Die Ausstellung „Undressed: A Brief History of Underwear“ im Victoria and Albert Museum in London widmet sich noch bis zum 12. März 2017 dem Phänomen des Darunters. 

Und das weitaus mehr ist als Slip und BH: Die bisher größte Lingerie-Ausstellung weltweit zeigt die ganze Bandbreite (mehr als 60 individuelle Stücke) der Dessousgeschichte von Miedern aus dem 18. Jahrhundert über bestickte Wochentagbaumwollhöschen, ein mit Swarovski-Kristallen besticktes Korsett bis hin zu Porno-Chic-Büstenhaltern, die mehr präsentieren als verhüllen. Ach ja, auch für Männer ist einiges dabei, etwa der Slip „EnlargeIT“, der das männliche Geschlechtsteil mit einer Push-up-Funktion optisch, nun ja, maximieren soll.

Schon immer wurde Unterwäsche dazu genutzt, den Körper in eine ideale Form zu bringen. Ideal ist natürlich relativ, liegt nicht nur im Auge des Betrachters, sondern vor allem auch an dem herrschenden Schönheitsideal und der jeweiligen Mode, die einen großen Einfluss auf das Darunter hat. Man denke nur mal an die Nineties, in denen alle Frauen nur eines im Kopf hatten: den „Wonderbra“. Der Wunder-BH verhalf nämlich locker zu zwei Körbchengrößen mehr, was sich aber spätestens beim Ausziehen in Luft auflöste.

Kate Moss setzte den Trend

Heute tragen die lässigen Frauen eher weniger als mehr, vor allem keinen gepolsterten Panzer um die Brust. Allen voran natürlich Kate Moss, die das Weglassen eines BHs zum Trend erklärte. Nicht jede Frau kann und sollte sich das leisten ein großer Busen braucht Unterstützung. Diese Art des Supports sieht aber schon lange nicht mehr nach Sanitätshaus aus. Klar, Unterwäsche erfüllt auch funktionale Zwecke, was im 18. Jahrhundert aufgrund der mangelnden Hygienemöglichkeiten noch mehr Sinn machte, aber oft wird heute vergessen, dass es eine intime Beziehung zwischen Frauen und dem, was sie drunter tragen, gibt, die gepflegt werden will.

Bei Wäsche regiert oft Verstand statt Gefühl

Es ist ja eine Entscheidung, die man jeden Morgen trifft: Was lässt man so nah an seine Haut? Emotional getrieben wählen wir bewusst, welche Creme und welchen Lippenstift wir benutzen, aber bei der Wäsche regiert oft Verstand statt Gefühl. Der Griff zu etwas Praktischem ist schneller und bequemer. Baumwollschlüpper in der Größe einer Einkaufstasche zwicken vielleicht nicht, aber tragen leider auch nicht zu einem erotischen Selbstbewusstsein bei. In der Regel fühlen sich die meisten Frauen anziehender, wenn sie eine gewisse Zartheit am Körper tragen.

Die muss niemand sehen, man muss sie nur spüren – es gleicht einem Geheimnis, das man mit sich selbst hat und nur mit ausgewählten Menschen teilt. Daraus entsteht Nähe, nicht nur zu anderen, vor allem zu einem selbst.

Dessous machen einen Look vollkommen

Diese Liebe zum Leben und seinen herrlichen Lastern transportiert etwa das Londoner Label Agent Provocateur in Spitze und Seide. Auch Fashion-Designer wie Stella McCartney sagen, dass sie von „innen nach außen“ entwerfen. Sie designen auch Lingerie, weil das Darunter eben zu einem Outfit dazugehört – und weil Dessous einen Look erst vollkommen machen. Was nützt die wunderschöne Seidenbluse, wenn darunter ein verwaschener BH sitzt, der einem ins Ohr flüstert: „Ha, du bist gar nicht so sexy, wie du denkst.“ Früher waren in den Korsagen Liebesschwüre, Zitate oder Daten eingestickt, weil man sagte, dass man nichts näher am Herzen trägt als eben das Korsett.

Vielleicht sollte man auch heute öfter mal was anderes überm Herzen tragen als ein Sport-Bustier, das man sich genervt über den Kopf zieht. Für eine wundervoll britische Atmosphäre, während des Aufenthalts in England's Hauptstadt, empfehlen wir übrigens als Hoteltipp den Jumeirah Carlton Tower.

Autorin: Susanne Kaloff

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