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Nahost-Freundschaft via Social Media

Von GRAZIA am Samstag, 9. August 2014 um 16:00 Uhr

Der Nahostkonflikt hat schon jetzt viel zu viele Opfer gefordert – täglich steigt die Zahl der Toten im Gazastreifen. Ein Ende scheint bisher nicht in Sicht – doch eine Internetkampagne gibt Hoffnung. „Jews And Arabs Refuse To Be Enemies“ - mit diesem Satz zeigen zurzeit Juden und Araber aus aller Welt via Social Media, dass Liebe und Freundschaft in Zeiten des Krieges die stärksten Waffen sind.

Die Schreckensmeldungen reissen nicht ab, täglich sind im Krieg zwischen Israel und Hamas neue Opfer zu beklagen. Als vergangene Woche im Gazastreifen eine UN-Schule, in die zahlreiche Menschen geflüchtet waren, weil sie sich dort in Sicherheit wähnten, von einer Bombe getroffen wurde, starben mindestens 15 Menschen, Dutzende von Kindern wurden verletzt. Und während es scheint, als wären die Schwierigkeiten, auf offizieller Ebene einen Waffenstillstand zu erreichen, unüberwindbar, macht eine Internetkampagne, die immer mehr Zuspruch findet, Hoffnung.

„Liebe spricht nicht die Sprache der Besatzung“

Ins Leben gerufen hat sie der US-Student Abraham Gutman mit einer syrischen Kommilitonin. Doch erst, als eine Libanesin bei Twitter ein Foto hochlud, auf dem zu sehen ist, wie sie ihren jüdischen Freund küsst, kam die Sache in Fahrt. „Jews and Arabs refuse to be enemies“ (etwa: Juden und Araber wollen keine Feinde sein) ist auf einem weißen Blatt Papier zu lesen, das die Journalistin Sulome Anderson in die Kamera hält. Außerdem schrieb sie: „Er nennt mich Nechema („Meine Seele“ auf Hebräisch; Anm. der Red.), ich sage Habibi („Mein Geliebter“ auf Arabisch; Anm. der Red.) zu ihm. Liebe spricht nicht die Sprache der Besatzung.“

Jews and Arabs refuse to be enemies

Innerhalb kürzester Zeit wurde Sulomes Friedensbotschaft Tausende Male retweetet. Danach dauerte es nicht mehr lange, bis ihre Aktion auf einer Facebook-Seite namens „Jews And Arabs Refuse To Be Enemies“ unzählige Nachahmer fand. Und sich eine Bewegung formierte, die der stillen Verzweiflung vieler – ob Juden, Araber oder Christen in aller Welt – eine Stimme gibt. Was umso wichtiger scheint, da inzwischen nicht mehr allein der blutige Nahostkonflikt die Menschen ängstigt – in Frankreich und Deutschland kam es bereits zu antisemitischen Protesten und Ausschreitungen. „Am Ende sind wir alle Menschen“, hatte Abraham Gutman in seinem ersten Post geschrieben. Naiv? Vielleicht. Aber eine Message, die guttut, wenn andere Waffen sprechen lassen. 

 

Text: Kalle Schäfer, Bilder: Facebook/JewsAndArabsRefuseToBeEnemies

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