Beauty

Paris-Rückblick: Eine extracoole Runde Trends!

Von Miriam am Dienstag, 5. April 2016 um 14:48 Uhr

Junge Wilde bei Dior, eine 94-jährige Stilikone bei Dries 8 van Noten, Kinder bei Chanel: Die Modewoche an der Seine hatte wirklich für alle was zu bieten.

Es hätte auf der gesamten Pariser Fashion-Week wohl keinen besseren Ort für Narzissten geben können als das Setting an der Rue de Rivoli: Im Cour Carré, dem Innenhof des Louvre, errichtete das Haus Christian Dior anlässlich seiner Show einen fünf Meter hohen kolossalen Zerrspiegel, der nicht nur die gegenüberliegende historische Hausfassade, sondern auch die eintreffenden, perfekt zurechtgemachten Gäste kunstvoll reflektierte. Danach ging’s durch einen kreisrunden Eingang, den man rückblickend sogar als Tor in eine andere Zeit deuten könnte.

Denn dahinter zeigten die jungen Interimsdesigner Serge Ruffieux und Lucie Meier (Dior hat immer noch keinen Nachfolger für Raf Simons gefunden) ihre aufregend unbekümmerten Trendvisionen:
die Dior-typischen Bar-Jackets wurden lässig zu geschlitzten Bleistiftröcken kombiniert, Mäntel mit verrutschten Schultern vorgeführt, Schultertaschen baumelten nachlässig offen an der Seite der Models, denen auch noch edle Ohr-Piercings in Form von Sicherheitsnadeln verpasst wurden. Alles sehr cool, rebellisch und ein bisschen trotzig.

„Die Looks waren so erfrischend jung und endlich nicht so zugeknöpft“, jubelte die Modekritikerin Sarah Mower kurz nach der Schau. Man könnte auch sagen: Meier und Ruffieux, die sich Händchen haltend den begeisterten Applaus abholten, führen mit ihren Entwürfen das weiter, was Simons angedacht hatte, und interpretieren es auf ihre Weise. »

Und auch sonst gehörte die Modewoche diesmal vor allem den Newcomern:

Der 35-jährige Deutschgeorgier Demna Gvasalia (gewöhnen Sie sich dran, Sie werden diesen unaussprechlichen Namen noch häufiger lesen), Mitbegründer des It-Labels Vetements, präsentierte seine Debütkollektion für Balenciaga – und übertraf alle Erwartungen der Kritiker! Gvasalia schaffte den Spagat zwischen Cristóbal Balenciagas berühmter Sanduhrsilhouette und den Street-Style-Details, mit denen er sich im vorigen Jahr mit seinem Nebenprojekt Vetements einen Namen machte. Er zeigte wilde Blumen-Looks, verwandelte Trenchcoats in Kleider und plusterte Daunenjacken zu Schlafsackdimensionen auf. Und auch unter dem Label Vetements demonstrierte er einmal mehr, wie Erfolgsdesigns im Jahr 2016 aussehen: breite Schultern, mit denen man nur seitlich durch die Tür kommt, karierte Männerhemden, Kapuzenpullis mit provokanten Sprüchen wie „Sexual fantasies“ oder „You f** asshole“ – wohlgemerkt: Das alles präsentierte er in einer Kirche! Vermutlich, um darauf hinzuweisen, dass er der neue Messias der Mode ist.

Dass Exzentrik und Stil kein Verfallsdatum haben, bewies gewohnt eindrucksvoll die New Yorkerin Iris Apfel, die mit ihren 94 Jahren die wohl älteste Fashionista in Paris war. Sie tauchte bei der Schau des Belgiers Dries van Noten in einem bodenlangen Langhaarpelz auf, mit Türkisschmuck und unverwechselbarer XL-Brille auf und badete erst mal in der Menge der Fotografen. Das Luxuskaufhaus Bon Marché hatte die Modeikone anlässlich der Eröffnung ihrer Ausstellung einfliegen lassen und auch gleich mal die komplette Innenstadt mit Werbeplakaten gepflastert, auf denen ihr Konterfei prangte.

Apropos ewige Jugend: Das Modehaus Chanel, das traditionsgemäß im Grand Palais zeigte, führte die definitiv elegantesten Kreationen (Seidenkleider! Spitzenblusen! Perlen!) vor. Unter dem Motto „Front Row Only“ inszenierte Karl Lagerfeld eine salonartige Couture-Atmosphäre mit mehr als 1000 Stühlen, die so präzise aneinandergereiht wurden, dass jeder Gast in der ersten Reihe saß. Aber man kann es eben nicht allen recht machen – so viel Demokratie passte einigen verwöhnten Besuchern nicht. „Herrje, muss jetzt wirklich jeder in der Front-Row sitzen?“, raunte eine Dame pikiert.

Platz genug war jedenfalls – auch für die Kinder. Seinen siebenjährigen Patensohn Hudson Kroenig platzierte Lagerfeld direkt neben „Vogue“- Chefin Anna Wintour. Ein schönes Symbol für diese im allerbesten Sinne generationenverbindende Modewoche.