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Reiseregion Mosel: Warum sie auch in der kalten Jahreszeit eine Reise wert ist

Von Linnea am Freitag, 4. November 2016 um 14:45 Uhr

Zwei Menschen, ein Auto, ein Wochenende Zeit – mehr braucht es nicht für das nächste romantische Reiseziel: Die Mosel. Klingt langweilig? Ist es ganz und gar nicht – denn auch im Herbst gibt's dort jede Menge zu sehen.

So nah und doch so fern

Die Mosel entspringt in den Vogesen, schlängelt sich die Berge hinab durch Frankreich, vorbei an Nancy und Metz, an Luxembourgs Grenze entlang nach Deutschland, wo sie das nach ihr benannte Mosel Tal beschreibt. Von Trier durch die Weinregionen um Bernkastel-Kues und Cochem vorbei bis nach Koblenz, wo ihre 550 Kilometer lange Reise ein Ende hat: Am Deutschen Eck fließt sie in den Rhein und speist damit Deutschlands größten Fluss. Sie hinterlässt auf ihrer Reise weite Kurven und enge Schleifen, aus denen Weinberge entwachsen, die die Region zu dem machen, was sie ist: eine Deutschlands schönster Weinregionen mit Riesling, Elbling und Burgundern.

Die Region ist traditionsreich und hat dennoch etwas Besonderes, Exotisches an sich, was vielleicht an der Nähe zu Luxemburg und Frankreich liegt, die hier jeweils in nur wenigen Autostunden zu erreichen sind. Die Moselaner sind ein lustiges Völkchen – redselig, freundlich, heimatverbunden und ein wenig eigen hin und wieder, doch wo ist das schon anders. Da vor allem der westlich und südliche Teil Deutschlands keine allzu weite Anfahrt hat, lohnt sich ein Wochenendtrip ohne weiteres.

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Der Wein gehört zur Mosel dazu, vor allem Riesling Trauben mögen das Klima hier und bringen mit Rest-Süße und frischer Säure Weine hervor, die lange weg führen vom staubigen Image des Moselweins.

Von Aussichten und Geschmackserlebnissen

Die Weinberge an der Mosel haben viele Steillagen mit Schieferboden zu bieten, was dem Wein einen mineralischen Boden bietet. Es sind vor allem Riesling Trauben, die hier angebaut und verarbeitet werden, aber auch Spät- und Weißburgunder werden hier langsam heimisch. Der Elbling wurde angeblich schon von den Römern an der Mosel angepflanzt, wo er bis heute noch wächst, leichte Weine bereitet und besonders für die Sektproduktion genutzt wird.

Die Weinproduktion findet hier vor allem bei kleinen Winzern statt, die jedoch teilweise zu den besten Deutschlands gehören und immer öfter ihre Weingüter an die junge Generation – ihre Söhne und Töchter - abgeben. So sind in den kleinen Dörfchen, die oft entlang der Mosel unterhalb der Weinberge liegen, viele Straußwirtschaften zu finden, in denen die Winzer ihre eigenen Weine und Speisen feilbieten. Oft haben die Betriebe eine lange Familientradition, so dass sich ein Plausch mit den Besitzern lohnt. Sie mögen die Besucher, schließlich sind sie Teil ihres Erfolgs.

Aussichtspunkte gibt es viele, die den Blick auf die Mosel und die umliegenden Weinberge möglich machen. In Leiwen, ca. 30 km von Trier, führt der Wanderweg Moselsteig durch die höher gelegenen Weinberge und lässt den Blick auf eine der schönen Moselschleifen nicht abbrechen. Die achte Etappe führt von Leiwen nach Neumagen-Dhron und ist besonders an einem sonnigen Spätsommertag zu empfehlen. Die Wanderung ist leicht zu bewältigen und entschädigt überdies mit tollen Panoramen für die moderate Anstrengung. Zur Einkehr bietet sich eins der Panoramarestaurants an, die neben dem Wein auch moseltypische Speisen zu bieten haben. Die Küche ist bodenständig und regional, zu nennen wären die typischen Krummbeerschnitscher, die sonst wo als einfach Reibekuchen bekannt sind, Flieten, knusprige Hähnchenflügel oder Spezialitäten, die einfach angereichert werden mit dem was da ist – Wein.

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Beinahe jedes Weingut öffnet seine Pforten für durstige, probierfreudige Gäste. Die kleinen Winzer bieten außerdem in Straußwirtschaften neben ihren Weinen auch regionale Spezialitäten an, so dass überall für Verpflegung gesorgt ist.

Ein weiteres Geschmackserlebnis aus der Moselregion wird vor allem den Frankfurter Abkömmlingen Freude bereiten. „Viez“ – von dem lateinischen „vice“ abgeleitet, war der Wein der einfachen Leute und wird auch heute noch produziert und gern getrunken. Aus kleinen knorzigen Äpfeln – „Viezäppel“ genannt - gewonnen, ist der Apfelwein deutlich saurer als der Frankfurter Äppelwoi, hat jedoch je nach Region auch süßere Ausprägungen. Wem das dennoch zu sauer ist, bestellt ihn einfach als Viez-Limo und hat ein schmackhaftes, günstiges Getränk bei einer Tour durch eine der Dorfkneipen. Die Vorzüge des Getränks fasst die Trierer Universität übrigens für alle Nicht-Trierer prägnant unter „Den sehr niedrigen des Rausch-Preis-Quotienten“ zusammen. Denn auch in den Städten der Obermosel – von denen Trier die größte ist - sind viele Kneipen zu finden, wo sich das studentische Nachtleben maßgeblich abspielt.

Was der Herbst zu bieten hat

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Der Herbst verwöhnt in der Moselregion zwischen Eifel und Hunsrück eingeschlossen noch mit warmen, goldenen Herbsttagen. Die eingefärbten Weinberge tun ihr Übriges für das Urlaubsgefühl in der so traditionsreichen und doch so anderen Gegend.

Der Herbst kehrt auch in der Moselregion mit aller Farbkraft ein. Wird es Oktober, färben sich die Blätter von Burgunderrot über Rosa hin zu kräftigen gold-gelben Tönen, als möchten die Reben noch einmal all ihre Farbe zur Geltung bringen. So mancher Weinberg ist noch gemischt bepflanzt, so dass hier die Rebenreihen in unterschiedlichsten Farben strahlen und die Täler bunt einfärben. Besonders der Blick auf die Weinberge ist dann was ganz Besonderes – von einer Panorama-Terrasse, während eines romantischen Picknicks oder einfach bei der Fahrt über eine der vielen Brücken der Mosel. Ein goldener Oktober Tag beschert dann wunderschöne Ausblicke und noch warme Stunden, während der Rest Deutschlands schon zittert. Durch die strategisch günstige Tallage hält sich zwischen Hunsrück und Eifel eingeschlossen die Wärme zumindest marginal länger. In den ersten Septembertagen sind allerorts noch Weinfeste zu finden, wo nicht nur der Wein sondern auch der Volksfest Charakter der dörflichen Feste zelebriert wird. Auch sonst ist die Verköstigung natürlich immer möglich. Beinahe jeder Winzer öffnet seine Tore für eine Weinprobe, auch für kleine Gruppen.

Aber auch zu einem späteren Zeitpunkt lohnt sich der Besuch von Trier. Ab dem 21. November macht der Weihnachtsmarkt auf bleibt bis zum 24. Dezember zu Gast auf dem Hauptmarkt und dem Domfreihof. Er zählt zu den schönsten Weihnachtsmärkten Deutschlands und sollte deshalb nicht verpasst werden – aber Achtung: Frühzeitig buchen, die Hotelzimmer sind jedes Jahr aufs Neue an den Weihnachtsmarktwochenenden ausgebucht.

Wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen

Um die Städte herum ist die Moselregion doch sehr dörflich und ländlich – aber genau dieses Ausbrechen aus der Stadt macht einen Wochenendtrip auch so erholsam. In den Weinbergen sagen sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ und in den Dörfern werden abends die Bürgersteige eingeklappt, so ruhig ist es dann. Das erholsam Heimelige und die Traditionsverbundenheit ist in jeder Jahreszeit eine Atempause von der Hektik der Großstadt und bietet Entspannung. Die kleinen Pensionen bieten quasi Familienanschluss, so dass hier jeder rundum versorgt ist und seine Erholung findet.

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Das Glas Wein gehört hier unabdingbar dazu und macht die Sonne hier spürbar.

Die herbstliche Mosel Region ist dabei so traditionsverbunden und doch offen für Neues, so dass der „Aufbruch“ vom staubigen Image des Moselweins schon lange spürbar ist. Die romantischen kleinen Dörfchen gehören zur westlichen Weinregion schlicht weg dazu, die Gastfreundschaft ist überall spürbar. Ein Wochenendtrip sorgt für neue Eindrücke, die herbstliche Sonne tut ihr bestes um die Gäste willkommen zu heißen – und bleibt mit der Kraft, den sie den Trauben das Jahr über gespendet hat, noch lange erhalten.

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