Beauty

Romano: „Flechten ist schwerer als Songs zu schreiben“

Von Britta am Mittwoch, 30. März 2016 um 15:06 Uhr

Ausverkaufte Hallen, viele glückliche Gesichter und einige Klapse auf den Po später: Romanos „Jenseits von Köpenick“-Tour ist beendet. GRAZIA war in Hamburg live dabei, wo wir dem Rapper mit den markanten Zöpfen, klar, Stilfragen stellen mussten (und trugen selbst natürlich Romano-Zöpfe!). Womit wir nicht gerechnet hatten: Der Typ gibt sensationelle Beauty- und Beziehungstipps!

Das Wichtigste gleich vorweg: Wer macht Ihnen auf Tour eigentlich die Haare?

Immer andere. Die Zwillings-Omis, die bei mir im Haus wohnen und mir sonst die Haare flechten, können ja nicht mit. Ich war hier und da mal mit einer Friseurin zusammen, das hilft. Aber ich kriege trotzdem immer nur einen halben Zopf hin. Meine Mutter hat mir schon eine Barbie-Puppe geschenkt, damit ich üben kann. Und es wird auch besser. Aber nicht so gut, dass ich damit auftreten könnte. Flechten ist schwerer als Songs zu schreiben!
 

Sie und Ihre Zöpfe sind eng verbunden, oder?

Ich trage sie immer. Seit 1996. Vor dem Schlafengehen mache ich die Zöpfe auf und habe eine leichte Dauerwelle, was auch sehr schön aussieht. Nach 80s-Rock, Glam-Metal. Und dazu sprühe ich mir ein bisschen Bulgari auf. Dann noch ein paar Seiten in der GRAZIA blättern, und dann schlafe ich so schön weg. Aber um noch mal auf die Zöpfe zu kommen: Männer, wenn ihr lange Haare habt, macht etwas daraus! Wie Lagerfeld immer sagt: Der klassische Zopf ist etwas Wunderschönes.

 

Nie mal mit dem Gedanken gespielt, einen Man-Bun auszuprobieren?

Ich habe schon gesehen, es gibt diesen Dutt-Trend bei Männern. Und bei richtig langen Haaren gefallen mir auch Schnecken. Ich mochte auch die Looks bei den Jungs von Korn oder beim Bassisten von Suicidal Tendencies. Oder zwei vorne, zwei hinten. Das kenn ich noch von meinem Vater, wenn er unsere Wohnung gestrichen hat. Der klassische Westcoast-Look. Snoop Dogg hat’s so getragen. Und ich dachte damals: „Das ist so cool. So will ich auch rumlaufen!“ Ab ’94 habe ich mir dann die Haare lang wachsen lassen. Damals gab es eine rege Metal-Hip-Hop-Szene. Die Hälfte der Typen in meiner Klasse hatte lange Haare. Die schlimmste Phase ist die, wenn die Haare über die Ohren wachsen. Am besten man lässt sich krank schreiben!

 

Wie wichtig ist es für einen Künstler ein Markenzeichen zu haben?

Sehr wichtig. Einen Dürer erkennt man sofort. Man erkennt die Handschrift des Künstlers Monet. Und auch in der Musik hört man heraus, wenn Prince oder Pharrell involviert waren. Ich finde es schön, dass es bei mir herausgeplotzt ist und sich alles so ergeben hat. Ohne Druck oder Muss. Es ist alles gereift und war schon da. Ich musste nichts erfinden.

 

Was müsste passieren, damit Sie sich die Haare abschneiden lassen?

Nur Haarausfall kann meine Zöpfe stoppen. Ey, wie schlimm das wäre, wenn die auf einmal alle grau werden. Hm, dann muss ich mir etwas anderes überlegen. Auf Perücken stehe ich nicht. Aber es gibt ja auch Haartransplantationen. Ich habe neulich jemanden kennengelernt, der hatte immer lange Haare – und dann ließ er sie urplötzlich abschneiden, weil er jetzt einen seriösen Job macht, Bank und so. Blöd sind auch Mädels, die keinen Freund mit langen Haaren haben wollen.

 

Warum?

Kein Mann sagt zu seiner Freundin: „Ich will, dass du abnimmst.“ Man hat die Menschen doch so kennen und lieben gelernt. Wenn da einer rumbasteln will, ist er der falsche Partner.

 

Welche Frisur gefällt Ihnen bei Frauen?

Zöpfe (wie bei dir) sind toll! Sieht richtig chic aus. Ich find’s auch toll, wenn mit dem Lockenstab gearbeitet wird. Eine komplette Dauerwelle ist typenabhängig. Ich finde es auch stark, wenn Frauen ganz kurze Haare tragen. Das kann nicht jede. Ich liebe Sinéad O'Connor. Bei ihr ist mir klar geworden: Alter, es gibt Frauen, die Glatze tragen können – erhobenen Hauptes und fantastisch aussehend!

 

Wie Frida-Gold-Fronfrau Alina Süggeler?

Ja. Wie krass, dieser Kontrast zwischen hart und weich ist echt sexy. Aber wenn ich wählen müsste: lieber Zöpfe. Hammer!

 

Werden Ihre Zöpfe in der Rap-Szene nicht belächelt? Das passt so gar nicht ins Bild…

Es gibt keine Szene bei mir, ich habe eine Nische gefunden und meinen eigenen Kosmos. Du hast Metaler, Grufties, Gothic-Girls, richtige krass Tätowierte, Techno-Girls, Hip Hopper und Familienväter mit ihren Kindern, die bei meinen Konzerten „Klaps auf den Po“ hören wollen. Das ist schön! Ich könnte mit 80 Prozent von denen danach noch einen Sekt oder Bier trinken gehen. Meine Konzerte haben eine schöne Energie. Aber zurück zur Frage: Männlich ist doch, wenn man Ziele hat, seinen Weg geht, etwas durchzieht.

 

Touren sind immer so ungesund. Wie wird man schnell wieder fit?

Ich mache viel Ballett, seit zweieinhalb Jahren jeden Montag zwei Stunden lang. Für mich ist Ballett etwas sehr Meditatives. Die Bewegung, alles gefällt mir. Mein großer Traum ist es nach Moskau zu gehen und mich in der berühmten Bolschoi-Ballettschule einzuschreiben. Das ist schon fast unmenschlich, aber ich will’s unbedingt machen. Damit alle Leute sehen, wie ich die krassesten Drehungen mache und denken: „Wow, wie ist denn der drauf?“ Ich tanze super gerne. Es ist schade, wenn Leute auf Partys nur lethargisch am Rand der Tanzfläche stehen. Wenn du etwas oder jemanden gut findest: „Geh’ hin und sprich ihn an!“ Bevor das Kopfkino einsetzt. Einfach machen!

 

Wem würden Sie gerne mal einen Klaps auf den Po geben?

Snoop Dogg. Der hat eine geile Energie. Und er macht so ein genre-übergreifendes Ding. Grundlegend Hip Hop, aber er taucht überall auf, auch als Moderator.

 

Verteilen Sie auch im Club mal Klapse?

Ich mach’s nicht wahllos. Das braucht eine Energie. Zuerst ist der Blickkontakt da. Dann die magischen drei Sekunden. Und dann kann alles passieren…

 

An was sollen die Leute denken, wenn sie Ihren Namen hören?

An einen Paradiesvogel in Bomberjacke.

 

Klingt exotisch. Wie wird man so einer?

Bleibt locker und easy! Aber zielgerichtet. Ich liebe Jogginghosen, hohe Schuhe, College-Jacken. Ich konnte mir die Anfang der 90er-Jahre gar nicht leisten. Dann gab’s auch noch die Abzieh-Kultur, wo es dann hieß: „Gib’ mal Jacke her!“ Von der Azubi-Kohle habe ich mir die erste Jacke gekauft. Mittlerweile habe ich 30 Stück und kann je nach Tageslaune die Farbe wechseln. Ich habe auch eine Schuh-Macke, immer im Wechsel mit der Jacken-Macke. Und ich gehe zur Maniküre. Dazu steh ich.