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Street-Art von Barbara: Wer ist die Überklebenskünstlerin?

Von GRAZIA am Donnerstag, 14. Juli 2016 um 15:39 Uhr

Sie (oder er) nennt sich schlicht Barbara und pflastert deutsche Großstädte mit kreativ verfremdeten Verbotsschildern. Wie beim Graffitikünstler Banksy weiß niemand, wer hinter der Aktion steckt. GRAZIA nahm Kontakt mit dem Phantom auf...

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Kennst du Barbara?

Nein, nicht die Schöneberger! Seit einiger Zeit mischen politische und hintergründig-komische Botschaften den öffentlichen Raum in deutschen Großstädten auf. Absender: Barbara. „Krieg führen für den Frieden bringt so viel wie Gras rauchen gegen Heißhunger“ heißt es da an einem Laternenpfahl in Hamburg-Altona. Unter einem Wahlplakat mit dem Spruch „Die AfD wirkt... und wirkt... und wirkt...“ klebt ein Zettel mit dem Konter „ ...bei mir wie Brechmittel“.

Doch wer da wirklich von Stadt zu Stadt reist, in Nacht-und-Nebel-Aktionen Laternen bekleistert und die Botschaften von Ordnungsschildern umdreht, weiß niemand.

Barbara bleibt ein Phantom, ähnlich wie der legendäre Aktionskünstler Banksy.

„Ich bin ein Mensch mit dem Namen Barbara. Älter als Justin Bieber und jünger als Angela Merkel“, gibt die Kunstfigur (im folgenden der Einfachheit halber: sie) im Interview mit GRAZIA, das verständlicherweise als Chat stattfindet, zu.

Wie war das noch? Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. In Barbaras Fall ist neben Kreativität bei der Arbeit auch Einfallsreichtum in Sachen Tarnung gefragt: „Das ist nicht immer einfach, ich muss darauf achten, mich nicht in widersprüchliche Angaben zu meinem Zeitvertreib zu verstricken, wenn ich mit meinen Freunden rede.“

Auf Facebook hat Barbara, die in Heidelberg leben soll, aktuell über 466 000 Fans – und jetzt dürfte ein ganzer Schwung hinzukommen, da ihr gerade ein Grimme Online Award verliehen wurde.

street-art barbara

Was Barbaras Kunst im öffentlichen Raum so cool und erfrischend macht: Fast immer sind ihre Poster und Verfremdungen bissige, menschenfreundliche Kommentare auf aktuelle Entwicklungen oder Zeitgenossen, von Flüchtlingskrise bis Erdogan, von AfD bis Attentat.

Dabei karikiert sie genüsslich den knappen deutschen Befehlston von Verbotsschildern, mit denen Barbara eine glühende Hassliebe verbindet: „Überflüssige Verbote mag ich nicht besonders, aber ohne sie wäre ich arbeitslos.“

Inzwischen gibt es ihre Bilder auch als Buch. Dass uns bei manchen Bildern das Lachen im Halse stecken bleibt, ist natürlich Absicht. „Ich finde es erschreckend, dass so viele Menschen nichts aus der Geschichte gelernt haben und sich von rechten Hetzern mit plumpen ausländerfeindlichen Parolen vergiften lassen“, so Barbara zu GRAZIA.

„Hass ist wieder mal eine Währung geworden, von der Parteien wie die AfD profitieren.

Die erzeugen Hass in den Herzen der Menschen und verwandeln diesen dann in Wählerstimmen. Pfui Teufel!“

Ihre klare Haltung prägte übrigens ein ganz besonderer Mann, wie Barbara am Ende erzählt – und damals war sie noch ein kleines Kind: „Bei einem Spaziergang zeigte mein Opa mir ein an die Wand geschmiertes Hakenkreuz und erklärte, für welche schrecklichen Ereignisse dieses Symbol steht.“ Mit Taschentuch und Spucke versuchte der alte Herr, die Schmiererei wegzuwischen – vergeblich. „Beim nächsten Spaziergang hatte ich einen Zettel eingesteckt, auf den ich eine lachende Sonne gemalt hatte. Den hab ich dann über das Hakenkreuz geklebt.“

Opas wie den von Barbara braucht das Land. Und noch mehr von ihren Botschaften!

 

Interview: Roland Rödermund

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Streetart