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Jonathan Bailey im Interview: "Die Größe zu haben, sich selbst zu korrigieren, das ist wahre Stärke"

Im exklusiven GRAZIA-Interview spricht Schauspieler Jonathan Bailey ganz offen mit uns über das Geheimnis der italienischen Gelassenheit, die er so liebt, seine ganz persönlichen Alltagsrituale und was für ihn wahre Romantik bedeutet.

Jonathan Bailey im Interview: "Die Größe zu haben, sich selbst zu korrigieren, das ist wahre Stärke"© PR
Spätestens seit seinen Rollen im Serien-Phänomen "Bridgerton", dem Kino-Highlight "Wicked" und dem Blockbuster "Jurassic World: Die Wiedergeburt" ist der britische Schauspieler aus der internationalen Filmwelt nicht mehr wegzudenken.

Mailand im Ausnahmezustand: In der Modemetropole wurde es gerade offiziell gemacht – Hollywood-Liebling Jonathan Bailey tritt in die Fußstapfen ganz großer Namen und ist der neue MARTINI Man. Wir waren live vor Ort und haben den charmanten Briten zum exklusiven GRAZIA-Gespräch getroffen. Im Interview verrät er, was ihn an der italienischen Lebensart so fasziniert, mit welchem einfachen Ritual er im Alltag wieder ganz zu sich selbst findet sowie was wahre Stärke und echte Romantik wirklich für ihn bedeuten.

Grazia: Italien steht für Leichtigkeit, Stil und das berühmte Dolce Vita – gibt es etwas am italienischen Lebensstil, das du bewusst für dich übernommen hast?

Jonathan Bailey: Da gibt es einfach zu viel, um sich zu entscheiden. Alles! Aber ganz konkret würde ich sagen, dass ich mir die Aperitivo-Kultur zu eigen gemacht habe. Es ist dieser magische Moment der Ruhe, der den Tag vom Abend und die Arbeit vom Vergnügen trennt. Eine Zeit, in der man wirklich bewusst Momente mit den Menschen verbringen kann, die man liebt. Man lehnt sich zurück und beobachtet einfach das Treiben um sich herum – ein Aperitivo lässt sich nicht überstürzen. Ich denke, das ist etwas, das wir uns alle zu eigen machen sollten: diesen Moment der Entschleunigung.

Das klingt wunderbar. Wenn du einen solchen Aperitivo-Abend mit Freunden planst: Was ist dir dabei am wichtigsten?

Dass sie überhaupt alle kommen (lacht)! Ich habe es in den letzten Jahren lieben gelernt, all meine Freunde zusammenzubringen. Wenn man Menschen miteinander bekannt macht, entsteht ein Ort, an dem jeder willkommen ist, sich niemand verstellt und alle einfach eine fantastische Zeit verbringen. Es ist wie eine kleine Realitätsflucht – wunderschön, mit guten Gesprächen, leiser Hintergrundmusik, einer tollen Aussicht und am besten direkt am Wasser. Dazu ein paar gute Drinks, allen voran ein MARTINI Spritz. Den schönsten Abend dieser Art hatte ich übrigens in Salento in Italien. Da gab es nur MARTINI, guten Aperitivo und das bis weit in die Nacht hinein – ein absolut unvergesslicher Abend.

Wie würdest du den "italienischen Stil" jemandem beschreiben, der heute Abend nicht hier ist?

Ich würde den italienischen Stil als pure Selbstsicherheit beschreiben. Da ist diese ganz zentrale Gelassenheit, die ich von Natur aus sexy finde. Das hat viel mit der Leidenschaft für die Familie zu tun, für die Gemeinschaft und für gemeinsame Erlebnisse. Im Grunde hat hier jeder ein echtes Gespür dafür, wer er ist, und das spiegelt sich in der Kleiderwahl wider. Deshalb gehören der italienische Stil und die italienische Kultur zu meinen absoluten Favoriten. Es ist diese unvergleichliche Mischung aus Eleganz und Leichtigkeit. Und echte Eleganz entsteht immer im Kern.

Man bringt dich selbst oft mit genau dieser Eleganz und einem Touch von altem Hollywood-Charme in Verbindung – wie würdest du deinen eigenen Modestil zusammenfassen?

Nicht so (lacht). Ich glaube, bei Stil geht es viel um Interpretation, Projektion und darum, wie man von anderen wahrgenommen wird. Für mich selbst fühlt es sich einfach absolut instinktiv an. Es gibt keine festen Regeln. Manchmal funktioniert ein Look, manchmal eben nicht. Aber wenn ich ein Teil sehe und es liebe, dann trage ich es – so lange, bis ich es irgendwann verliere.

Für mich bedeutet Stil, die Kleidungsstücke, die man wählt, wirklich zu lieben und eine echte Beziehung zu ihnen aufzubauen. Das entspringt dem eigenen Selbstbewusstsein und dem persönlichen Geschmack. Also ja, bei mir läuft das komplett instinktiv ab.

Wie bringt man ein bisschen mehr Stil in den Alltag?

Man sollte immer achtsam sein und bereit, sich von dem inspirieren zu lassen, was man sieht. Ich gehe hierfür beispielsweise unheimlich gerne in Vintage-Läden – das ist immer großartig. Erst kürzlich war ich wieder stöbern und hatte einen der besten, inspirierendsten Tage überhaupt. Dabei habe ich diesen wunderschönen Cardigan gefunden. Ich habe ihn getragen und leider direkt wieder verloren. Ihr kennt das sicher, wenn man einfach fühlt: Das ist genau das Richtige für mich. Ich glaube am Ende einfach, dass er zu besonders war, um nur in meiner Welt zu bleiben. Vielleicht ist er jetzt in das Leben eines anderen Menschen gewandert. Das muss der Grund sein, denn ich werde wohl für immer an diesen Cardigan denken.

Vielleicht läuft dir in der Modemetropole ja ein neuer Lieblings-Cardigan über den Weg. Warst du denn hier in Mailand schon in den Vintage-Läden stöbern?

Leider noch nicht, ich bin erst gestern Abend angekommen. In Deutschland habe ich mal in einen reingeschaut. Das ist immer eine tolle Erfahrung. Als ich letztes Jahr auf einer Pressetour in Mexiko-Stadt war, fand ich es dort ebenfalls einfach genial. Für mich hat das viel Ähnlichkeit mit Familienrestaurants und Trattorien: Wenn man in diese Vintage-Läden geht, findet man dort eine echte, unverfälschte Identität.

Du wirst mittlerweile als eine Art Stilikone angesehen – setzt dich das unter Druck, oder macht es dir einfach Spaß, mit Mode zu spielen?

Es macht total Spaß! Der Druck wird ja auch von den brillanten Menschen abgefedert, mit denen man sich umgibt. Seit ein paar Jahren arbeite ich zum Beispiel mit der Stylistin Emma Jade Morrison zusammen – sie ist einfach außergewöhnlich und hat einen exquisiten Geschmack, der unheimlich viel Spaß macht und sehr verspielt ist.

Das Geniale an unserem Job ist doch, dass man im Laufe der Zeit mit so vielen verschiedenen Menschen kollaborieren, neue Perspektiven einnehmen und die Freude daran teilen kann. Gerade arbeite ich mit Robert Rabensteiner zusammen, und er ist unglaublich. Meiner Meinung nach ist er der sexieste und stilvollste Mann auf dem Planeten!

Die beste Antwort auf den Druck ist also das Teamwork mit diesen großartigen Talenten, die alle ihren ganz eigenen Stil mitbringen. Ich betrachte Mode durch die Zusammenarbeit mit anderen immer wieder aus völlig neuen Blickwinkeln. Ich habe einfach das große Glück, von so besonderen Menschen umgeben zu sein, die mich dabei unterstützen.

Du reist viel, drehst Filme und arbeitest mit internationalen Brands zusammen – hast du ein Ritual, das dir hilft, zwischendurch wieder zu dir selbst zu finden?

Für mich bedeutet das einfach: spazieren gehen, Rad fahren, rauskommen und unterwegs sein. Ich fange gerade mit Dreharbeiten in Deutschland an und fahre dort wirklich überall mit dem Fahrrad hin. Für mich ist es etwas ganz Besonderes, in die freie Natur zu kommen – idealerweise jedenfalls. Aber ich liebe auch den Perspektivwechsel und das Erkunden von Städten, egal ob zu Fuß oder auf dem Sattel. Ich finde das jedes Mal extrem spannend, erfrischend und irgendwie belebend.

Viele kennen dich aus sehr romantischen Rollen – wie romantisch bist du privat: eher Team große Gesten oder Team kleine, stille Momente?

Ich glaube, bei mir ist das eher durchdacht. Natürlich gibt es immer Platz für jede Art von Romantik. Aber in den letzten Jahren ging es bei mir persönlich vor allem darum, Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen, zu arbeiten, mich für Wohltätigkeitsorganisationen zu engagieren und Sport zu treiben. Das hat mir geholfen, nach diesen wahnsinnig intensiven Jahren wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Inzwischen bin ich aber absolut bereit, die Romantik wieder voll und ganz in meinem Leben willkommen zu heißen. Für mich ist sie eher ruhig, freundlich und beständig – und sie basiert vor allem auf guter Kommunikation.

Diese Reife und Gelassenheit kommt ja oft erst mit den Jahren. Wenn du auf dein jüngeres Ich zu Beginn deiner Karriere zurückblickst: Was würde ihn an deinem jetzigen Leben am meisten überraschen?

Ich wäre überrascht, dass man egal wo man hingeht eine tolle Zeit haben und so brillante Menschen treffen kann. Nicht, dass das an sich eine Überraschung wäre, aber in der Schulzeit fühlt sich eben alles oft sehr festgelegt an. Es gibt Systeme, die einem das Gefühl geben, man müsse auf eine ganz bestimmte Art fühlen oder Ziele auf vorgegebenen Wegen erreichen. Für mich war es im Nachhinein vielleicht weniger eine Überraschung, sondern vielmehr eine große Erleichterung zu sehen, dass es auch anders geht. Es kommt eben immer auf die Menschen an, mit denen man sich umgibt. Und es gibt da draußen unendlich viele tolle, liebenswerte Personen.

Viele sehen dich als Beispiel für eine modernere, offenere Form von Männlichkeit – wie definierst du Stärke für dich selbst?

Ich bin da selbst zu 100 Prozent ein "Work in Progress" und absolut nicht fehlerfrei, aber ich schätze es, Widersprüche auszuhalten. Stärke bedeutet für mich, entschlossen und gleichzeitig einfühlsam zu sein. Klar zu kommunizieren, was man braucht, und trotzdem immer freundlich zu bleiben. Leidenschaftlich zu brennen, ohne andere Menschen in den Schatten zu stellen. Es ist im Grunde eine ständige Gratwanderung. Aber ich denke, selbstbewusst zu sein und die Größe zu haben, sich selbst zu korrigieren, das ist wahre Stärke. Zudem darf Neugierde nie fehlen – sie ist für mich der absolute Schlüssel.

Sich selbst treu zu bleiben und sich immer wieder zu hinterfragen, erfordert inneren Halt. Was bedeutet vor diesem Hintergrund echtes Selbstbewusstsein für dich?

Selbstbewusstsein bedeutet für mich, Entscheidungen zu treffen und dazu zu stehen, ungeachtet der Konsequenzen. Wenn man es schafft, selbst in frustrierenden Phasen die Freude nicht zu verlieren und auch in den unbeschwerten, leichten Zeiten einen tieferen Sinn zu erkennen – genau das macht für mich wahrhaftiges Selbstbewusstsein aus.

Vielen Dank, Jonathan!