Wie raucht man, ohne zu rauchen?

Wie raucht man, ohne zu rauchen?

Unsere Kollegin erlebte auf dem Spielplatz einen Aha-Moment. Danach traf sie eine Entscheidung – für ihre Gesundheit und für die ihres Sohnes. Hier berichtet sie davon.

Text: Melanie Meyer, Protokoll: Maren Pletziger

"Das ist ekelhaft. Einfach nur widerwärtig!" Irgendwie war ich von mir selbst abgestoßen. Und in diesem Moment wusste ich, dass sich etwas ändern muss. Ich war mit meinem zweijährigen Sohn auf dem Spielplatz, wir tobten herum, hatten Spaß. Beim Knuddeln drehte er sich plötzlich weg. "Bäh, Mama!", sagte er, und ich wäre am liebsten im Boden versunken vor Scham. Ich stinke nach Qualm, schoss es mir durch den Kopf. Mein Kind mag mich nicht riechen!

Wie alles begann ...

Ich rauche seit 15 Jahren. Etwa die Hälfte meines Lebens. Meine erste Zigarette paffte ich mit einer Freundin im Park. Es hatte geregnet, wir hatten uns unterm Regenschirm den verlockend-verbotenen Glimmstängel geteilt. Das könnte jetzt eine sentimentale Szene in einem Comig-of-Age-Movie sein ... die Wirklichkeit fühlte sich anders an. Es war kalt, die Kippe hat abartig geschmeckt, und ich habe mir die Seele aus dem Leib gehustet. Trotzdem bin ich drangeblieben. Rauchen wurde zur Gewohnheit – auch, weil meine Freunde damals alle gequalmt haben.

Rauch-Stopp während und nach der Schwangerschaft

Als ich schwanger wurde, habe ich sofort aufgehört. Das ist mir schwergefallen, aber ich zog es durch und bin nicht rückfällig geworden. Die erste Zeit war ich ständig in Versuchung, doch es wurde besser, und irgendwann hatte ich gar kein Verlangen mehr danach.

Zurück zum Glimmstengel

Das änderte sich mit der Arbeitslosigkeit. Ich hatte meinen Job als Grafikdesignerin gekündigt und wollte mich beruflich neu aufstellen, aber dann kam Corona. Es war die denkbar schlechteste Zeit, sich zu bewerben – ich fand einfach nichts. Das hat mich total frustriert, es war eine große Belastung für mich und meine Familie. Letztlich trieb mich der Psychostress wieder dazu, zum Glimmstengel zu greifen. Und natürlich die Langeweile – denn mit einem Kita-Kind und ohne Job zogen sich die leeren Stunden wie Kaugummi.

Es klingt bescheuert, aber ich hatte wirklich das Gefühl, mir mit den kleinen Zigarettenpausen etwas zu gönnen. Zwar kickte das schlechte Gewissen sofort rein – aber ich sah auch die Vorteile. Sich mal fünf Minuten zurückziehen, abschalten, runterkommen. Auch heute noch kann ich der Befriedigung, die so eine Zigarette mir zweifellos bringt, etwas abgewinnen. Als Raucherin bin ich entspannter und ausgeglichener – was ja auch meiner Mutterrolle zugutekommt. Wenn nur die Zweifel und der fiese Gestank nicht wären!

"Als mein Sohn zu mir sagte 'Bäh Mama, du stinkst nach Qualm', wusste ich, dass sich etwas ändern muss" – Melanie Meyer

Die neue Alternative

Mein Freund hat mich dann darauf gebracht, es mal mit einem Tabakerhitzer zu probieren. Die gibt's von Iqos oder glo. Zunächst kam mir das Gefummel mit Gerät recht kompliziert vor: In den Holder (der sich wiederum in einem kleinen Ladegerät befindet) steckt man kleine Tabaksticks, die Heets. Man drückt auf ein Knöpfchen, es vibriert, der Holder erhitzt den Tabak, es vibriert noch mal, und dann kann man drauflosrauchen. Zwölf bis 14 Züge lang. Der Genuss ist endlich – im Gegensatz zu E-Zigaretten, an denen man so lange ziehen kann, wie man will. Das Dauerpaffen ist aber nichts für mich. Mir würde die sogenannte Zigarettenlänge fehlen! An die Handhabung des Heaters habe ich mich schnell gewöhnt, ansonsten ist eigentlich alles wie immer: Ich stelle mich zum Rauchen brav auf den Balkon. Ich habe immer schon draußen gequalmt.

Apropos Qualm: Man produziert keine Asche, insofern machen die Heater weniger Dreck als Zigaretten. Und da die gesundheitsschädlichen Stoffe beim Rauchen in erster Linie beim Verbrennungsprozess entstehen, soll wirklich weniger Gift im Qualm sein. Angeblich atmet man bis zu 90 Prozent weniger Schadstoffe ein. Wie dem auch sei. Mein Hauptargument ist und bleibt aber: dass ich nicht mehr bis zum Himmel stinke und vor allem meinem Sohn den Qualm erspare. Ich will hier wirklich nichts beschönigen: Rauchen bleibt ein ungesundes Laster – auch mit den Heatern. Und das Beste, was man tun kann, ist damit ganz aufzuhören oder gar nicht erst anzufangen. Aber ich finde, dass es für Leute wie mich, die nicht darauf verzichten wollen oder es vielleicht einfach auch nicht schaffen, mit den Heatern eine gute Alternative gibt.

Ihr möchtet mit dem Rauchen aufhören? Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hilft euch dabei. Mehr Infos unter bzga.de

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