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Guerlains Parfümeurin Delphine Jelk im Interview

Nachhaltige Parfüms: Guerlains Parfümeurin Delphine Jelk im GRAZIA Interview

Der Wunsch nach umweltbewussten Beauty-Produkten beschränkt sich längt nicht mehr nur auf Mascara, Lippenstift und Co.: So wollen immer mehr Brands ihre Düfte besonders nachhaltig gestalten. Wir haben Delphine Jelk, Parfümeurin bei Guerlain, zum Beauty-Talk getroffen und mit ihr über die neuesten Entwicklungen und Standards gesprochen …

Interview: Sara Schulze

© PR
Im Interview hat uns Guerlains Parfümeurin Delphine Jelk über die neuesten Entwicklungen nachhaltiger Düfte aufgeklärt.

GRAZIA: Was war die größte Herausforderung an dem nachhaltigen Relaunch der "Aqua Allegoria" Düfte?

Delphine Jelk: Eine besondere Herausforderung war die Verwendung von Bio-Alkohol. Denn die Umstellung von konventionellem auf biologischen Alkohol ist schwieriger als man denkt. Unsere Wahl fiel letztendlich auf den Rübenalkohol, und zwar aus zwei Gründen: Zum einen wirkt sich jeder Alkohol, auch wenn er an sich keinen Geruch hat, immer auf die verwendeten Duftnoten aus. Rübenalkohol etwa bewirkt, dass fruchtige Noten verstärkt werden, was bei "Aqua Allegoria" natürlich perfekt passt. Auf der anderen Seite kann Rübenalkohol in größeren Mengen herstellt werden als andere Bio-Alkohole. Für den Relaunch brauchten wir genau riesige Mengen. Diese Faktoren spielen bei all den verschiedenen, natürlichen Ressourcen, die wir benötigten, eine große Rolle. Die feine Abstimmung jedes biologischen Rohstoffes war aufwendig, aber auch sehr aufregend.

Wie wirken sich die natürlichen Inhaltsstoffe auf die Haltbarkeit der Düfte aus?

Delphine Jelk: Für die Langlebigkeit eines Duftes spielt die Konzentration der Parfümöle eine wichtige Rolle. Daher setzen die "Aqua Allegoria" Düfte auf eine sehr hohe. Neben der Konzentration kommt etwas Biochemie ins Spiel: So lassen sich Moleküle bei der Haltbarkeit eines Duftes zu unserem Vorteil verwenden. Ich erklär es an dem Beispiel der Tonkabohne. Sie hat einen wunderbar runden, süßlichen Geruch. Wenn man Tonka als Rohstoff in einem Duft verwendet, kommen diese Noten zum Vorscheinen – sie sind jedoch nicht sehr langlebig. Der Trick ist das Molekül Cumarin zu extrahieren und es anstelle der Tonka zu verwenden. Da Tonka ohnehin zu 80 Prozent aus dem Molekül besteht, bleibt der wunderbare Geruch erhalten – und ist gleichzeitig wesentlich langlebiger auf der Haut. Es hat also durchaus Vorteile, Rohstoffe zu begutachten und sie letztlich so zu verwenden, dass ein wunderbarer Duft entsteht.

Ist die Verwendung biologischer Rohstoffe auch besser für unsere Haut?

Delphine Jelk: Nein, das kann man tatsächlich nicht sagen. Es ist ein üblicher Irrglaube, dass alles, was natürlich ist, auch besser für die Haut ist. Man verwendet für einen Rosenduft ja auch nicht 100 Prozent Rose, das würde die Haut nicht gut vertragen. Auch hierbei kommen uns die Moleküle zugute, denn Sie werden von der Haut besser vertragen. Hinzu kommen natürlich sehr strenge Vorschriften, was die Hautverträglichkeit angeht. Uns war sehr wichtig einen Kompromiss für die Nachhaltigkeit und die Verträglichkeit zu finden.

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Die fruchtig-holzigen Noten von "Aqua Allegoria Nerolia Vetiver" erinnern an einen romantischen Urlaub im Süden …

Wie würden Sie Ihre neueste Komposition "Nerolia Vetiver" aus der "Aqua Allegoria" Kollektion beschreiben?

Delphine Jelk: Zunächst einmal muss man wissen, dass ich mich total in Neroli verliebt habe! Neroli ist der Name des ätherischen Öles von der Orangenblüte. Benannt würde das Öl nach der italienischen Prinzessin Nerolia, die die Orangenblüte vergötterte. Meine persönliche Note in "Nerolia Vetiver" entstand, als ich in Süditalien auf einem Hügel direkt am Mittelmeer stand. Hier kam mir der Gedanke, eine frische Meeresbrise einzubringen, gepaart mit dem Duft der fruchtigen Feigenbäume und passend italienisch: Basilikum. All das ist mit in den Duft eingeflossen. Was mir dann noch fehlte, fand ich im Vetiver. Die Eleganz der Duftnote erinnerte mich sofort an eben jene der italienischen Frauen. In meinem Kopf spielten sich Szenen des Films "Der talentierte Mr. Ripley" ab – genau dieses Gefühl der Dolce Vita wollte ich einfangen.

Die "Aqua Allegoria" Kollektion findet ständig neue Ergänzungen. Was dürfen wir als nächstes Erwarten?

Delphine Jelk: Ich habe tausende Ideen! Bisher besteht die "Aqua Allegoria" Linie besonders aus Sommerdüften. Ich würde gern diese Frische, das Vergnügen und die Freude auf das ganze Jahr übertragen. In nächster Zeit werden auch neue Noten in den Düften auftauchen und den ein oder anderen mit Sicherheit überraschen.

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