
Ulli Erlich ist nicht nur ein inspirierendes Vorbild für weibliche Selbstbestimmung und unternehmerischen Mut, mit ihrer persönlichen Linie „ULLI“ bricht der Kopf hinter der Marke "Sportalm" bewusst mit Altersstereotypen und plädiert für das Motto "Je oller, je doller": Ein Aufruf an alle Frauen mutiger, individueller und befreiter von den Erwartungen anderer zu werden. Als kreative Kraft zeigt sie, dass wahre Stärke darin liegt, zu sich selbst zu stehen und Mode als Werkzeug zu nutzen, um die eigene "Superpower" und Lebensfreude sichtbar zu machen.
Gleichzeitig verkörpert Erlich eine neue Form der weiblichen Führung, bei der das Herz über die Ratio siegt. Sie steht für ihre Werte ein – vom Erhalt traditioneller Schneiderkunst im Kitzbüheler Atelier bis zur fairen Produktion in Europa. Für sie ist Empowerment kein Marketing-Schlagwort, sondern gelebte Realität: Mode zu entwerfen, in der sich Frauen kraftvoll und authentisch fühlen, während sie als Unternehmerin Verantwortung für ihre Mitarbeiterinnen übernimmt. Ein Interview über die Freiheit, keine Kompromisse mehr machen zu müssen.
"Es kümmert mich nicht mehr, was andere denken"
Grazia-magazin.de: Die „Ulli“-Kollektion steht für eine sehr persönliche Handschrift. Wie definierst du den gestalterischen Kern dieser Linie innerhalb von Sportalm?
Ulli Ehrlich: Mit ULLI trauen wir uns mehr, man könnte auch sagen: "Je oller, je doller", weil ich ja selber nicht mehr jung bin und festgestellt habe, daß ich mich mehr traue, je älter ich bin. Ich weiß, was mir steht, habe Freude an der Mode und es kümmert mich nicht mehr, was andere denken. Diese Individualität, dieses Spiel wollten wir zum Ausdruck bringen. Keine Kollektion, die fertige Outfits anbietet, sondern mit der man sich seinen sehr persönlichen Look zusammenstellen kann. Alles in einem sportiven Kontext wie es zur Heritage der Marke paßt.
Grazia-magazin.de: Inwiefern unterscheidet sich der kreativer Prozess bei der Entwicklung der "Ulli"-Kollektion von anderen Linien des Hauses Sportalm?
Ulli Ehrlich: In der Premium-Mode gibt es dieses Wort: "flächenfähig". Das heißt, es muss eine gewisse Anzahl von Modellen im Thema sein und auf den ersten Blick erkennbar, welche Jacke zu welcher Hose gehört. ULLi besteht aus coolen Einzelteilen, die Modelle richten sich an ein informierteres Publikum, die einen kreativen, sportlichen Look zu schätzen wissen. Hier können wir uns mehr austoben, sind experimenteller unterwegs und wagen uns an Modelle, die für die Stammkollektion wohl zu ausgefallen wären.
Grazia-magazin.de: Wie wichtig ist dir die Balance zwischen technischer Innovation und ästhetischer Raffinesse – und wo setzt du bewusst Prioritäten?
Ulli Ehrlich: Durch unsere Geschichte als Sportmarke ist technische Innovation sehr wichtig für uns und wir sind stolz darauf, in unserem eigenen Werk in Bulgarien dieses exzellente Fertigungsknowhow erhalten zu können. Außerdem haben wir 13 Jahre lang die Skikollektion für Marithé + Francoise Girbaud entwickelt, die bekanntermaßen die Wegbereiter für viele Innovationen in der Mode waren wie z.B. die Verarbeitung von Stretch Fabrics, Lasern, Tapen usw. Das hat unser Auge noch zusätzlich geschult und wir haben ein Verständnis dafür bekommen, wie man hochmodische Teile mit einem technischen Twist versieht.
Grazia-magazin.de: Welche Materialien sind für dich aktuell und in der kommenden Saison unverzichtbar – und warum?
Ulli Ehrlich: Eben jene technischen Jerseyqualitäten von einem hochwertigen Spezialisten aus Italien. Die kann man auf moderne Art und Weise verarbeiten, sie sehen super aus und verleihen den Modellen einen unnachahmlichen Komfort – etwas, worauf die Kundin heutzutage nicht mehr verzichten möchte.
"Wir sind detailverliebt und wollen unser ganzes Können zeigen"
Grazia-magazin.de: Welche Trends beobachtest du für die kommende Saison – und welche interpretierst du bewusst anders als der Mainstream?
Ulli Ehrlich: Im Moment schlägt das Modependel wieder sehr zu unseren Gunsten aus, die Saisonen des Minimalismus waren nicht unser Ding. Wir sind viel zu detailverliebt und wollen unser ganzes Können zeigen, um komplett schlichte Styles zu fertigen. Was auch nicht so unsere Richtung für Ulli ist, ist das Verspielte, Romantische. Finde ich persönlich sehr schön (schlachten wir bei uns in der Tracht auch voll aus), aber bei ULLI sind wir definitiv zu sportlich unterwegs, um das glaubhaft darzustellen.
"Wir Frauen haben die Superpower in uns"
Grazia-magazin.de: Empowerment ist ein häufig verwendeter Begriff in der Mode. Was bedeutet er für dich konkret – als Designerin und als Unternehmerin?
Ulli Ehrlich: Mode sollte nie zum Selbstzweck verkommen, weil dann wird die Trägerin zur Karikatur. Für mich heißt es, dass ich mich in meiner Kleidung so fühle, wie die beste Version meiner Selbst: stark, kraftvoll, selbstbewußt und dabei aber noch zeige, dass ich eben eine Frau bin, weil wir Frauen haben insgeheim die Superpower in uns. Das erlebe ich jeden Tag aufs Neue, bei meinen Mitarbeiterinnen und bei mir selber. Was wir Frauen jeden Tag einfach so machen, ohne, dass wir uns ständig dafür auf die Schulter klopfen. Das ist großartig.
Grazia-magazin.de: Wie verändern sich die Ansprüche deiner Kundinnen – und wie reagierst du darauf in deinen Entwürfen?
Ulli Ehrlich: Zum Glück sensibilisiert sich die Gesellschaft in der Frage, wie Kleidung hergestellt wird. Das war uns als Familienunternehmen immer schon wichtig, deshalb auch dieses Bekenntnis zu einer Produktion innerhalb der EU. Der bereits angesprochene Bequemlichkeitsgedanke ist für uns auch unerläßlich. Und natürlich das Qualitätsversprechen, welches wir abgeben und worauf sich die Trägerin auch verlassen will, wenn sie sich ein Stück aus unserem Hause kauft.
"Bei uns als Familie gewinnt immer das Herz vor der Ratio"
Grazia-magazin.de: Inwieweit beeinflusst Ihre unternehmerische Verantwortung Ihre kreative Freiheit?
Ulli Ehrlich: Das sehen wir überhaupt nicht als Einschränkung, sondern als Privileg. Wir sind nicht gezwungen, nach den billigsten Stoffen zu suchen, sondern wir können auf der Mailänder Stoffmesse nach den innovativen Materialien Ausschau halten, die von italienischen Manufakturen mit genauso viel Enthusiasmus entwickelt wurden, wie wir das bei uns machen.
Natürlich könnten wir noch viel mehr Umsatz machen, wenn wir Abstriche bei der Qualität in Kauf nehmen würden. Somit ist es in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten manchmal schon ein schmaler Grat, auf dem man wandelt. Hätte ich einen Investor mit an Bord, dann würde der wohl als erstes die eigene Produktion streichen inclusive dem Atelier hier in Kitzbühel mit den Schneiderinnen und den Schnittmachern. Aber bei uns als Familie gewinnt da immer noch das Herz vor der Ratio.
Grazia-magazin.de: Wenn du die "Ulli"-Kollektion in drei präzisen Begriffen charakterisieren müsstest, welche wären das und warum?
Ulli Ehrlich: Sportiv, unique, mutig!
Grazia-magazin.de: Trend Capsule Wardeobe: Welche Key-Pieces aus der Kollektion eignen sich perfekt als luxuriöse Basics im Kleiderschrank?
Ulli Ehrlich: Auf die aktuelle Sommer-Kollektion bezogen sind das folgende Teile: Die coole Weste mit überschnittener Schulter aus Technijersey. Das Logo wurde aus Fake-Leder ausgelasert und als Transfer aufgebracht. Dann der Edeljogger, der im Set genauso gut funktioniert wie als Einzelteil. Bestehend aus Sweater und Hose aus einer super soften Modalmischung. Beim Oberteil wurde das Logo im Embossed Look angebracht und schließlich dieses Kleid aus feinem Mesh, Das ist so herrlich unkompliziert, knitterfrei und leicht – ein perfektes Basic-Teil für den Sommer. Ein Stück und man ist angezogen!





