Pandora-CEO Berta de Pablos-Barbier: "Dann müssen Frauen nicht länger Entscheidungen treffen, die von Männern selten verlangt werden"

Von Karriereerfolgen bis zum Mut, eigene Wege zu gehen: Pandora-CEO Berta de Pablos-Barbier verrät uns im Interview, wie der Spagat zwischen C-Level und Muttersein gelingt und warum Selbstvertrauen erst durch neue Chancen entsteht.

Pandora-CEO Berta de Pablos-Barbier: "Ich wünsche mir, dass Fürsorgearbeit nicht mehr in erster Linie in der Verantwortung der Frau liegt"© Pandora
Berta de Pablos-Barbier führt als CEO das Schmuckunternehmen Pandora – und lebt privat als Mutter einer Tochter genau die Balance zwischen Karriere und Familie, über die sie im Interview mit uns spricht.

Ein weltweit erfolgreiches Schmuckunternehmen leiten und zugleich Mutter sein – als CEO von Pandora beweist Berta de Pablos-Barbier, dass Führungspositionen auf C-Level und Familienleben Hand in Hand gehen können. Doch wie meistert man den Spagat zwischen Boardroom und Alltag wirklich? Im GRAZIA-Interview spricht die Top-Managerin über echte Gleichberechtigung, warum wir aufhören müssen, Frauen eine Wahl aufzudrängen, und mit welchem Mindset sie Pandora als zeitlose Marke immer wieder neu erfindet.

Grazia: Pandora steht weltweit dafür, besondere Momente im Leben in Schmuckstücken einzufangen. Wie gelingt es euch als Brand, dieses persönliche Gefühl immer wieder neu zu beleben?

Berta de Pablos-Barbier: Bei Pandora glauben wir, dass Schmuck erst dadurch an Bedeutung gewinnt, dass Menschen ihm einen Sinn verleihen. Ein Stück beginnt mit unserem Design und unserer Handwerkskunst, aber es wird erst dann wirklich wertvoll, wenn es Teil der eigenen Geschichte von jemandem wird: sei es der Schulabschluss, das Verlieben, das Elternwerden, ein persönlicher Meilenstein oder einfach das Feiern von sich selbst. 

Das Faszinierende daran ist, dass die Geschichten der Menschen niemals stillstehen. Es gibt immer neue Kapitel, Beziehungen und Erfolge auszudrücken. Unsere Aufgabe ist es, weiterhin Schmuck zu kreieren, den sich die Menschen zu eigen machen können, denn jedes neue Lebenskapitel verdient eine neue Art, seine Geschichte zu erzählen.

Modetrends sind schnelllebig, während echter Schmuck uns über Jahre hinweg begleiten soll. Wie schafft Pandora die Balance zwischen diesen beiden Ansprüchen?

Schmuck muss kulturell relevant sein. Er muss sich mit der Art und Weise verbunden fühlen, wie Menschen heute leben, sich ausdrücken und die Welt sehen. Aber kulturell relevant zu sein, ist nicht dasselbe wie jedem Trend hinterherzulaufen. Es geht darum, am Puls der Zeit zu sein und gleichzeitig etwas zu schaffen, das darüber hinaus Bestand hat. 

Trends können inspirieren, wie Menschen ihren Schmuck stylen, kombinieren oder layern, aber die emotionale Verbindung sorgt dafür, dass sie ihn immer wieder anziehen. Unser Anspruch ist es, zeitgemäßes Design, außergewöhnliche Handwerkskunst und persönliche Bedeutung zusammenzubringen. Der stärkste Schmuck fühlt sich heute relevant an und bleibt es auch noch Jahre später.

Wenn du auf die Schmucktrends blickst: Welcher Style begeistert dich aktuell am meisten und wie kombinierst du ihn am liebsten?

Was mich am meisten begeistert, ist kein einzelner Trend, sondern der Wandel dahinter: Die Menschen werden immer selbstbewusster darin, ihre Individualität auszudrücken. Sie mischen Metalle, kombinieren Erbstücke mit modernen Designs und tragen bedeutungsvollen Schmuck neben auffälligeren Statement-Pieces. 

Es gibt heute weniger Regeln, und das finde ich unglaublich spannend. Es spiegelt etwas viel Größeres als Mode wider: Menschen wollen zunehmend, dass ihr Stil ausdrückt, wer sie sind, statt einfach nur, was gerade angesagt ist. Ich persönlich liebe Kombinationen, die unerwartet, aber dennoch persönlich wirken. Schmuck wird zur Sprache der Individualität.

Als CEO besetzt du eine Schlüsselposition im Top-Management und bist gleichzeitig Mutter einer Tochter. Viele Frauen glauben heute immer noch, sich zwischen Karriere und Familie entscheiden zu müssen. Wie erlebst du diesen Spagat in der Praxis?

Ich habe meine Karriere und meine Familie nie als gegensätzliche Prioritäten gesehen. Wie bei den meisten berufstätigen Eltern gibt es Momente, in denen die Arbeit mehr Aufmerksamkeit erfordert, und andere, in denen die Familie an erster Stelle steht. 

Ich habe gelernt, dass Balance nichts ist, das man einmal erreicht und dann für immer behält. Es ist etwas, das man kontinuierlich anpasst. Was mir hilft, ist, mich auf einen Schritt nach dem anderen zu konzentrieren. Meine Mutter hat mich immer daran erinnert, dass selbst die größte Herausforderung zu bewältigen ist, wenn man sie Schritt für Schritt, Tag für Tag angeht. Diese Lektion habe ich in jede Phase meines Lebens mitgenommen – vom Weg zur CEO bis hin zum Muttersein.

Welches Verständnis von Erfolg und von der Vereinbarkeit von Beruf und Familie möchtest du deiner Tochter für ihren eigenen Weg mitgeben?

Ich möchte, dass meine Tochter weiß, dass Erfolg nicht durch einen Titel, ein Gehalt oder externe Anerkennung definiert wird. Er bedeutet, ein Leben aufzubauen, das für einen selbst Bedeutung hat, weiterzulernen und seinen Werten treu zu bleiben. 

Meine Eltern haben mir nie gesagt, dass es etwas gibt, das ich nicht erreichen könnte, und das hat mir von klein auf Selbstvertrauen gegeben. Ich hoffe, dass meine Tochter in einer Welt aufwächst, in der sie sich nie zwischen der Karriere, von der sie träumt, und der Familie, die sie sich wünscht, entscheiden muss. 

Frauen sollten nicht zwischen Ambition und Glück wählen müssen. Sie sollten frei sein, Erfolg nach ihren eigenen Maßstäben zu definieren.

Pandora-CEO Berta de Pablos-Barbier

Frauen sollten sich nicht zwischen Karriere und Familie entscheiden müssen. Welche gesellschaftliche Veränderung wünschst du dir, damit dieser vermeintliche Widerspruch endlich verschwindet?

Das eigentliche Ziel besteht nicht einfach darin, Frauen dabei zu helfen, Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Es geht darum, eine Welt zu schaffen, in der Vereinbarkeit nicht länger als Frauenthema gilt. Ich wünsche mir, dass wir uns von der Vorstellung lösen, Fürsorgearbeit sei in erster Linie die Verantwortung der Frau. Echter Fortschritt entsteht dann, wenn Arbeitsplätze, öffentliche Politik und gesellschaftliche Erwartungen beide Elternteile gleichermaßen unterstützen. 

Wenn Flexibilität und geteilte Verantwortung für alle zur Normalität werden, müssen Frauen nicht länger Entscheidungen treffen, die von Männern selten verlangt werden. Davon profitieren Familien, Unternehmen und die Gesellschaft als Ganzes.

Pandora-CEO Berta de Pablos-Barbier

In den Führungsetagen globaler Konzerne sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. Welches Mindset hilft dir dabei, dich auf C-Level und in Führungsgremien zu behaupten?

Als ich aufwuchs, wechselte ich fast jedes Jahr die Schule und lebte in vielen verschiedenen Ländern. Rückblickend habe ich erkannt, dass mich das Anderssein etwas Wertvolleres gelehrt hat, als Dazugehören es je könnte: Es hat mich gelehrt, auf eigenen Beinen zu stehen.

Als Führungskraft ist man nicht immer die beliebteste Person im Raum, und das ist in Ordnung. Man braucht den Mut, schwierige Entscheidungen zu treffen und zu ihnen zu stehen, aber auch die Demut, zuzuhören, die eigenen Annahmen zu hinterfragen und stetig weiterzulernen.

Führung bedeutet nicht, die lauteste Stimme zu haben oder alle Antworten zu kennen. Es geht darum, Klarheit zu schaffen, Verantwortung zu übernehmen und ein Umfeld zu gestalten, in dem talentierte Menschen sich sicher genug fühlen, ihre besten Ideen einzubringen, Annahmen zu hinterfragen und gemeinsam erfolgreich zu sein.

Pandora-CEO Berta de Pablos-Barbier

Wenn du auf deine eigene Karriere zurückblickst: Welchen Rat hättest du deinem jüngeren Ich zu Beginn deiner beruflichen Laufbahn gerne gegeben?

Ich würde mir sagen, dass ich weniger Zeit damit verbringen sollte, mir Sorgen über den nächsten Jobtitel zu machen, und mich stattdessen mehr auf mein persönliches Wachstum konzentrieren sollte. 

Im Laufe meiner Karriere habe ich mir vor der Übernahme einer neuen Rolle immer drei Fragen gestellt: Wird es mir Spaß machen? Werde ich etwas lernen? Kann ich etwas bewirken? Diese Fragen haben mich viel besser geleitet als jeder langfristige Karriereplan. 

Ich würde mich auch daran erinnern, nicht zu warten, bis ich mich vollkommen bereit fühle. Selbstvertrauen kommt selten vor der Chance. Meistens entsteht es erst, weil man bereit war, die Chance zu ergreifen.

Ein durchgetakteter Tag als Top-Managerin verlangt viel ab. Wie sieht dein persönliches Ritual aus, um wieder bei dir anzukommen und neue Energie zu tanken?

Menschen sagen mir oft, ich wirke ruhig – aber Ruhe ist nicht einfach etwas, mit dem man geboren wird, sondern etwas, das man übt.

Ich habe gelernt, Risiko von Angst zu trennen. Es gibt ein französisches Sprichwort, das sinngemäß übersetzt bedeutet: "Angst verhindert keine Gefahr." Sich Sorgen zu machen ändert selten das Ergebnis – überlegtes Handeln schon. Wenn es hektisch oder komplex wird, konzentriere ich mich auf das, was ich beeinflussen kann, und gehe Herausforderungen Schritt für Schritt an.

Zeit mit meiner Familie zu verbringen, spazieren zu gehen, Sport zu treiben oder einfach das Handy für eine Weile wegzulegen hilft mir, wieder mit dem in Verbindung zu kommen, was wirklich zählt, und bringt alles wieder ins richtige Verhältnis.

Wenn du Frauen da draußen nur einen einzigen Satz mitgeben könntest, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken, welcher wäre das?

"Hör auf, dich zu fragen, ob du bereit bist. Fange an, dich zu fragen, ob du bereit bist zu lernen – denn Wachstum beginnt lange vor dem Selbstbewusstsein."

Pandora-CEO Berta de Pablos-Barbier

Vielen Dank, liebe Berta, für das inspirierende Gespräch.

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