Reportage: "Ich habe meine Freundin mit 40 Frauen betrogen"

Reportage: "Ich habe meine Freundin mit 40 Frauen betrogen"

Solche Geschichten wecken nicht gerade unser Vertrauen in Männer. Marco Beckes hatte während seiner Beziehung ständig Sex mit anderen Frauen – geliebt hat er seine Freundin dennoch, sagt er. Die Beichte eines verlogenen Schweins (wie Marco sich selbst nennt)

© Alejandra Quiroz
Marco: "Ich hatte zwei Handys. Eins für Kristina und eins für meine Affären"

Kristina und ich wurden gegen Ende unserer gemeinsamen Schulzeit ein Paar. Sie war eigentlich eine echte Traumfrau, sah aus wie ein Engel, war schlau, cool und ein bisschen unnahbar – alle Jungs in der Schule fanden sie toll. Ich war damals gerade 20 Jahre alt und zum allerersten Mal richtig verliebt, daher war es mir erst auch egal, dass Kristinas Eltern mich nicht akzeptierten. Ich war ihnen weder schick noch klug genug. Ihr Vater ist Professor und wollte immer einen Arzt für seine Tochter. Ich dagegen wollte Spielerberater von Fußballprofis werden. Irgendwie hatte ich das Gefühl, er hat mich vom ersten Tag an gehasst.

Ich war Kristina gar nicht von Anfang an untreu, im Gegenteil, ich habe vieles mitgemacht, wo andere abgewunken hätten. Ich habe zum Beispiel akzeptiert, dass ich ihr Elternhaus nicht betreten durfte und das sie ihren Eltern gegenüber nie zugegeben hat, dass sie noch mit mir zusammen war. doch irgendwann reichte es mir. 

NACH ZWEI JAHREN KAM DER WENDEPUNKT

Wir trafen uns mal wieder heimlich in meinem Auto um die Ecke vom Haus ihrer Eltern. Es war Heiligabend, ich hatte eine ganze Kiste mit Geschenken dabei, Blumen, Schmuck und andere Kleinigkeiten. Jede andere Frau hätte sich gefreut – doch Kristina schrie mich nur an, was ich mir dabei gedacht hätte. Sie könnte die Geschenke ja nicht mit ins Haus nehmen, weil ihre Mutter und ihr Vater nichts von mir wüssten. Ich war sauer und enttäuscht und nahm alles wieder mit Anschließend fuhr ich in eine Kneipe, wo ich ein paar ehemalige Schulkameraden treffen sollte – darunter war auch eine alte Freundin, die ich später nach Hause fahren wollte. Als sie die Kiste mit Kristinas verschmähten Geschenken sah, habe ich gesagt, sie könne sich gerne etwas aussuchen. Sie lud mich zu sich ein, eins kam zum anderen – und wir landeten im Bett. Die Nacht war schön, doch am nächsten Tag wollte ich mich wieder mit meiner Freundin versöhnen. Ich liebte sie ja. Ich sagte ihr nichts von meinem Ausrutscher, ich wusste, sie würde es nicht verstehen. Es sollte einfach meine persönliche kleine Rache bleiben. Ich fand, dass sie es verdient hat, nachdem sie mich so schlecht behandelt hatte.

DOCH DIESER ERSTE SEITENSPRUNG HAT EINEN SCHALTER BEI MIR UMGELEGT

Ich fand diesen unverbindlichen schnellen Sex richtig gut und begann, ganz systematisch nach Abenteuern Ausschau zu halten. Kristina lebte mittlerweile wegen ihres Studiums in einer anderen Stadt, es war also kein Problem, sie zu betrügen. Ich war bald ein richtiger Profi: Ich legte mir ein zweites Handy zu, damit ich eines nur für Kristina, meine Familie und Freunde hatte – und ein anderes für die Frauen. E-Mails checkte ich nur, wenn ich alleine war. Außerdem änderte ich mein Passwort einmal im Monat, damit Kristina es nicht knacken konnte. Nur einige enge Freunde wussten Bescheid – und gaben mir ein Alibi, wenn es sein musste. Sie verstanden nicht, warum ich mich überhaupt so lange von Kristina verleugnen ließ.

Ich arbeitete nebenbei schon als Sportberater und war viel unterwegs, übernachtete dauernd in Hotels. Ich traf viele hübsche Frauen, und ich weiß, wie man sie belabert – Reden ist schließlich Teil meines Jobs. Außerdem bin ich groß, schlank und sportlich. Ich habe wirklich kein Problem, Frauen aufzureißen. Vor allem die Hostessen bei den Veranstaltungen, auf denen ich mich beruflich rumtrieb, waren leichte Beute. Und wenn ich mal abgewiesen wurde, konnte ich das auch verkraften.

DASS ICH MIT ANDEREN SCHLIEF, WURDE ZUR GEWOHNHEIT

Es war für mich wie ein Wettkampf, ich wollte mir selbst beweisen, dass ich bei Frauen landen konnte. Ich war auf der Suche nach Macht und Selbstbestätigung. In der Beziehung zu Kristina war ich nämlich eigentlich immer der Depp. Und trotzdem ging es bei meinen Abenteuern ausschließlich um Sex. Es gab nur zwei Male, bei denen ich die Frauen auch über unsere Bettgeschichte hinaus noch interessant fand. Aber ich ließ mich trotzdem nicht auf mehr ein. Für die Liebe hatte ich ja schließlich Kristina. Mir gefiel dieses Leben mit seinem Wechselspiel aus Action und Vertrautheit – auch wenn ich mich auf sehr dünnem Eis bewegte und ständig in Gefahr war aufzufliegen.

Natürlich meldete sich ab und an mein Gewissen, dann beschloss ich auch, es jetzt sein zu lassen. Aber sobald ich wieder eine hübsche Frau traf, wurde ich schwach und legte mich erneut ins Zeug. Irgendwann dachte ich nicht mal mehr darüber nach, ob es eigentlich falsch war, was ich da tat. Für mich waren das einfach zwei völlig unterschiedliche Welten, in denen ich mich bewegte. Übrigens auch optisch: 90 Prozent meiner Abenteuer waren blond und blauäugig, Kristina dagegen hat braune Augen und dunkle Haare. Das Ganze lief ungefähr fünf Jahr lang so. Unsere Beziehung wurde mit jedem Jahr schlechter. Wir stritten uns viel, Kristina war ständig angespannt und zickig. Von der Frau, in die ich mich verliebt hatte, war in den letzten eineinhalb Jahren unserer Beziehung nicht mehr viel übrig geblieben. Wir dachten oft darüber nach, ob wir uns vielleicht besser trennen sollten, sprachen sogar darüber. Letztlich kam ich aber zu dem Schluss, dass ich Kristina liebte und mit ihr mein Leben verbringen wollte. 

ICH NAHM MIR VOR, SCHLUSS MIT DEM FREMDGEHEN ZU MACHEN, MIT MEINEN GEHEIMNISSEN UND AFFÄREN.

Ich wollte endlich eine "richtige" Beziehung mit Kristina. Sie war zu diesem Zeitpunkt gerade für ein Jahr in Australien. Ich flog nach einigen Monaten zu ihr, um sie zu besuchen – und wollte ihr bei dieser Gelegenheit einen Heiratsantrag machen. Ich meinte es ernst. Weil ich nun erwachsen werden wollte, weil ich dachte, ich muss das alles wieder gut machen, von dem sie ja nicht mal etwas ahnte. Schon bei der Ankunft war sie ganz übel gelaunt, weil es Ärger mit ihrer Mitbewohnerin gab. Doch es wurde sogar noch schlimmer: Einen Tag später vergaß sie, sich bei dem Computer, den sie vor mir benutzt hatte, auszuloggen. Ich bin nicht stolz darauf – aber ich las ihre Nachrichten und erfuhr so, dass nicht nur ich untreu gewesen war, sondern auch sie.

Kristina hatte mich mit einem ihrer Kollegen betrogen. Ich stellte sie sofort zur Rede, sie gab alles zu – und versuchte nicht mal mehr, unsere Beziehung zu retten. So kam es natürlich nicht zu meinem geplanten Heiratsantrag, sondern zum Ende unserer Beziehung: Ich war jahrelang fremdgegangen, und jetzt scheiterte unsere Liebe daran, dass Kristina einmal mit einem anderen geschlafen und sich gleich richtig verliebt hatte. Irgendwie absurd. 

Heute glaube ich, dass es besser so ist. Wir wären wahrscheinlich nie glücklich miteinander geworden. Aber auch wenn das schwer zu glauben ist: Ich habe Kristina wirklich geliebt. Trotzdem frage ich mich im Nachhinein, wie wir es fast sieben Jahre ausgehalten haben, so verschieden, wie wir waren. Ich hatte seitdem viel Zeit zum Nachdenken – und weiß, dass ich nicht "von Haus aus" untreu bin. Ich musste mir damals etwas beweisen – heute brauche ich das nicht mehr. Ich habe inzwischen eine neue Freundin und bin ihr treu.

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