Autorin: Leonie Poeppel

Die Nachricht schlug in der Fashion-Welt ein wie eine Einladung zum Ball der Saison: Guido Maria Kretschmer kooperiert mit dem Netflix-Phänomen "Bridgerton". Doch wer opulente Kostüme erwartet, die nur im Museum bestehen könnten, kennt Guido schlecht. Der Designer hat den Look der Regency-Ära dekonstruiert und in tragbare, moderne It-Pieces verwandelt, die jede Frau zur Protagonistin ihrer eigenen Geschichte machen.
Kollektion im Bridgerton-Stil: Eine Ehre für den Designer
Die Zusammenarbeit war für Deutschlands beliebtesten Designer kein strategischer Move, sondern ein echtes Herzensprojekt. Als die Anfrage von den Machern der Serie kam, zögerte Guido keine Sekunde. Es war ein Perfect Match zwischen seiner femininen Design-Handschrift und der ästhetischen Welt von Lady Whistledown.
"Das war natürlich für mich großes Glück, als die mich angefragt haben. Das war eher eine Ehre. Ich war sofort begeistert, weil ich die Serie sehr schätze. Ich mag diesen Look, dieses Feminine, etwas Romantisierende", so Guido Maria Kretschmer.
Guido Maria Kretschmer designt Mode für taffe Frauen
Besonders die Entwicklung der Charaktere in der neuen "Bridgerton" Staffel, die am 29. Januar mit Part eins Premiere gefeiert hat, hat Guido inspiriert. Er sieht in der Mode mehr als nur Stoff – sie ist für ihn ein Vehikel für die persönliche "Heldenreise". Dabei liegt ihm die Diversität besonders am Herzen. Romantik, erklärt der Designer, kennt keine Konfektionsgröße und kein Alter.
"Mir war wichtig, dass es ein völlig diverses Modell von Mode ist. Jeder hat eine Sehnsucht nach romantischen Momenten. Besonders eben auch im Alter, dass man weiß: Man kann sich auch als ältere Frau wie ein gutes Mädchen fühlen, ohne verkleidet auszusehen."
Besonders angetan hat es ihm die Emanzipation der weiblichen Charaktere, die sich in der Serie ihren Raum erkämpfen. Für Guido ist die Kollektion daher auch ein Statement für die Stärke der Frau in einer aktuell oft rauen Welt: "Man sieht, dass man selbst in einem Blütenkleid und einem Spitzensaum die Welt regieren könnte, wenn man wollte. Ich glaube, dass Frauen das machen müssen, massiv, damit es besser wird in dieser Welt."
"Democratic Couture": Schöne Kleidung sollte für alle zugänglich sein
Obwohl Guido Maria Kretschmer seine Wurzeln in der Couture hat, ist sein Anspruch heute ein anderer. Er möchte Mode kreieren, die hochwertig aussieht, aber für jede Frau zugänglich bleibt. Er selbst nennt dieses Konzept liebevoll "Democratic Couture".
Der Designer erklärt: "Je bekannter ich im Fernsehen wurde, desto mehr dachte ich: 'Nee, Guido, mach mal Democratic Couture.' Das bedeutet, gute Sachen zu schaffen, die für jeden erschwinglich sind. Man sollte keinen Kredit aufnehmen müssen, um sich eine von mir designte Bluse leisten zu können."
Guido sorgt für eine Blütenrevolution im Kleiderschrank
In einer Zeit, die von Krisen geprägt ist, sieht Guido Maria Kretschmer in zarten Pastelltönen und floralen Prints eine Form von sanftem Widerstand. Die Kollektion, die unter anderem auf zarte Streublumen, Paillettenwesten und Art-déco-Elemente setzt, ist für ihn ein Ausdruck von Sehnsucht nach Frieden und Empathie.
Dass er damit voll im Trend liegt, bewies die letzte Haute Couture Week in Paris: "Ich habe vor Kurzem die Chanel-Kollektion, die in Paris gezeigt wurde, gesehen und gedacht: 'Guck mal, wie schön, wir sind der Zeit total voraus. Diese romantisierenden Looks kommen dort erst in der nächsten Saison. Wir haben es jetzt schon!'"
Kurz gesagt: Die Kollektion ist eine Einladung, sich selbst treu zu bleiben und die eigene Weiblichkeit als Rüstung zu tragen. Denn für Guido Maria Kretschmer ist klar: Mode ist die Haut der Seele.





