Valentino Garavani: Ein Leben wie aus einem Hollywood-Film – ein Portrait

Er erfand eine Farbe, kleidete die Stilikonen der Welt ein und blieb auch mit über 90 Jahren der unangefochtene "Last Emperor" der Mode. Wir blicken hinter die Kulissen von Valentino Garavani – dem Mann, der Schönheit zu seiner einzigen Religion machte und uns lehrte, dass man in Rot niemals zu viel, sondern immer genau richtig ist.

Valentino Garavani© Getty images
Valentino Garavani machte das satte Scharlachrot zu seinem Markenzeichen.

Wer an Valentino Garavani denkt, denkt nicht einfach nur an Mode – er denkt an ein ganz bestimmtes Gefühl von kompromisslosem Luxus. In einer Ära, in der Streetwear und "Quiet Luxury" die Laufstege dominieren, wirkt Valentino wie die schillernde Erinnerung daran, was echte Haute Couture ausmacht: Pailletten, meterweise Seidenchiffon und eine Weiblichkeit, die so laut und stolz ist wie das berühmte "Valentino-Rot". 

Valentino: Ein Leben wie aus einem Hollywood-Film 

Sein Aufstieg liest sich wie das Drehbuch eines klassischen Hollywood-Films, doch der Anfang war alles andere als sicher. Nachdem Valentino in den 1950er-Jahren in Paris bei Größen wie Jean Dessès und Guy Laroche das Handwerk der Draperie perfektionierte, kehrte er nach Rom zurück, um sein eigenes Haus zu gründen. Die Realität holte ihn jedoch schnell ein: Valentino liebte den Exzess so sehr, dass er fast pleiteging, bevor er richtig angefangen hatte. 

Die Rettung kam in Form einer schicksalhaften Begegnung in einem Café an der Via Veneto: Giancarlo Giammetti. Der Architekturstudent wurde nicht nur Valentinos Lebensgefährte, sondern vor allem das geschäftliche Genie hinter der Marke. Denn während Valentino die Träume aus Seide entwarf, baute Giammetti das Imperium auf. 

1960 war es schließlich so weit – das Haus Valentino war geboren – und der internationale Durchbruch war eine eine Sensation in Weiß. 1968 präsentierte er seine legendäre "Collezione Bianca" – eine komplett in Elfenbein und Beige gehaltene Kollektion, die mitten in der bunten, psychedelischen Hippie-Ära einschlug wie eine Bombe. Es war pure, radikale Raffinesse.

Valentino und die Hollywood-Diven

Jackie Kennedy war so begeistert, dass sie fortan fast nur noch Valentino trug und ihn schließlich bat, ihr Spitzenkleid für die Hochzeit mit Aristoteles Onassis zu entwerfen. Denn er verstand es wie kein Zweiter, die Reichen und Schönen so einzukleiden, dass sie nicht nur angezogen, sondern regelrecht inszeniert wirkten. Dabei blieb er sich und seinem Stil immer treu: Während andere Designer mit "Ugly Chic" oder Dekonstruktion experimentierten, blieb Valentino der Anwalt der Schönheit. 

"Ich weiß, was Frauen wollen", sagte er einmal trocken. "Sie wollen schön sein." Sein untrügliches Gespür machte ihn zum Lieblingsdesigner von Hollywood-Größen wie von Elizabeth Taylor, Audrey Hepburn oder eben Jackie Kennedy. 

Das perfekte "Rosso"

Hollywood lag ihm zu Füßen und auch die Modewelt blickte neidisch auf den Italiener – wegen eines genialen Schachzugs, der bis heute unwiderruflich mit Valentino verbunden ist. Denn der Mann, den alle Welt nur bei seinem Vornamen nennt, hat das geschafft, wovon viele Designer träumen: Er hat eine Farbe nicht nur berühmt gemacht, sondern sie förmlich gepachtet. Das leuchtende Scharlachrot, inspiriert von einem Opernbesuch in Barcelona in seiner Jugend, wurde zum Synonym für den ultimativen Glamour-Auftritt auf dem roten Teppich.

Der "Last Emperor" im goldenen Unruhestand

2008 zog sich Valentino schließlich mit einer fulminanten dreitägigen Party in Rom (inklusive Flugshow über dem Kolosseum!) offiziell zurück, um seinen Ruhestand anzutreten. Und das tat er mit allem, was er sich in den vergangenen Jahrzehnten so hart erarbeitet hatte. Der "Last Emperor" genoß das Dolce Vita in einer Dimension, die heute fast surreal wirkt. Sein Alltag war eine perfekt kuratierte Inszenierung: Flankiert von seinen sechs geliebten Möpsen, die teilweise in eigenen Privatjets reisten, und umgeben von einer Entourage aus langjährigen Freunden, zelebrierte er die Ästhetik bis ins letzte Detail.

Sein Ruhestand war ein Unruhestand par excellence. Ob auf seiner 46 Meter langen Jacht "T.M. Blue One" oder in seinem barocken Chateau Wideville bei Paris – auf Instagram gab er Einblicke in ein Leben, das aus silbernen Serviertabletts, makellosen Leinenanzügen und einer ewigen Bräune bestand. Er war der lebende Beweis dafür, dass man das Alter nicht nur akzeptieren, sondern mit Grandezza beherrschen kann. 

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Valentino Garavani und sein Vermächtnis

Während sein Modehaus heute unter kreativen Köpfen wie Alessandro Michele die Gen Z erobert, blieb der Gründer die moralische und ästhetische Instanz im Hintergrund und beobachtete die Modewelt weiterhin mit scharfem Blick. 

Am 19. Januar 2026 stirbt Valentino Garavni mit 93 Jahren in Rom. Die Modewelt trauert um einen Visionär, einen Meister und eine Persönlichkeit, wie es sie heute nur noch selten gibt. Das zeigt auch das Vermächtnis, das der Italiener hinterlässt. Denn er hat uns gelehrt, dass Mode vergänglich ist, aber wahrer Stil – und das richtige Rot – für immer bleiben.