
London hat wieder einmal bewiesen, warum es das pulsierende Herz der experimentellen Mode ist. Während die Designer ihre Visionen für die Herbst- und Winterkollektionen 2026 präsentierten, wurde schnell klar: Die Beauty-Looks dieser Saison sind weit mehr als nur Begleiter der Mode – sie sind die eigentlichen Stars.
Die Stimmung für den kommenden Winter ist geprägt von Kontrasten. Auf der einen Seite sehen wir eine intensive Strenge, auf der anderen eine rohe, ungeschönte Natürlichkeit. Es geht nicht mehr darum, Makel zu kaschieren, sondern Texturen zu zelebrieren – sei es das Glänzen eines Augenlids oder die gewollte Unordnung eines Scheitels.
Die größten Beauty-Trends der London Fashion Week
Hier sind die sechs wegweisenden Beauty-Trends der London Fashion Week, die unseren Look im kommenden Herbst plus Winter definieren werden.
1. Big Buns bei Richard Quinn

Wenn es einen Designer gibt, der das Wort "Drama" in Perfektion beherrscht, dann ist es Richard Quinn. Für die Herbst/Winter-Saison 2026 setzte er auf eine Frisur, die gleichzeitig nostalgisch und futuristisch wirkt: den Big Bun.
Dieser Look ist eine Hommage an die klassische Hochsteckfrisur, jedoch mit einem modernen, fast architektonischen Twist. Die Haare werden streng nach hinten genommen und am Hinterkopf zu einem voluminösen, perfekt geformten Knoten geschlungen.
So stylst du es: Um diesen Grad an Perfektion zu erreichen, ist ein glättendes Serum unerlässlich. Der Bun muss fest sitzen, darf aber keine fliegenden Härchen ("Flyaways") zeigen. Es ist ein Look für starke Frauen, die Präsenz zeigen wollen – ideal in Kombination mit großem Statement-Schmuck, wie Quinn es auf dem Runway mit opulenten Ohrringen vormachte.
2. Glowy No-Make-up-Look bei Erdem

Erdem steht traditionell für Romantik und Melancholie, und das spiegelte sich auch im Make-up wider. Der Glowy No-Make-up-Look bei Erdem ist die Antithese zur schweren Foundation vergangener Jahre. Es geht um eine Haut, die so aussieht, als käme man gerade von einem Spaziergang durch den herbstlichen englischen Nebel.
Das Gesicht wirkt fast ungeschminkt, doch bei genauerem Hinsehen erkennt man die Meisterschaft der Lichtsetzung. Sommersprossen werden nicht überdeckt, sondern dürfen durchscheinen. Die Haut hat ein "dewy" Finish – sie wirkt feucht, lebendig und extrem gesund.
Der Key-Faktor: Hier wird mit flüssigen Highlightern und Gesichtshaut-Ölen gearbeitet, die nur auf die hohen Punkte des Gesichts (Wangenknochen, Nasenrücken) aufgetupft werden. Die Lippen bleiben natürlich, meist nur mit einem Hauch von transparentem Gloss oder Balsam gepflegt. Ein Look, der die eigene Identität unterstreicht, statt sie zu maskieren.
3. Messy Seitenscheitel bei Emilia Wickstead

Emilia Wickstead ist bekannt für ihre klaren Linien, doch bei den Haaren durfte es in dieser Saison überraschend lässig zugehen. Der Messy Seitenscheitel bricht mit der strengen Symmetrie und verleiht den ansonsten sehr femininen Kollektionen eine maskuline, unangestrengte Note.
Der Scheitel wird tief gesetzt, doch statt einer messerscharfen Linie wirkt er fast so, als sei man mit den Fingern durch das Haar gefahren. Es ist die perfekte "Ich bin so aufgewacht, sehe aber fantastisch aus"-Attitüde.
Warum wir es lieben: Dieser Trend ist absolut alltagstauglich. Er funktioniert bei kurzem Haar genauso gut wie bei langen Mähnen. Ein wenig Texturspray oder Trockenshampoo sorgt für den nötigen Griff, damit das Haar nicht zu flach am Kopf anliegt. Es ist die perfekte Balance zwischen Eleganz und Rebellion.
4. Modern Smokey Eyes bei Julien Macdonald

Kein Winter ohne Smokey Eyes – doch Julien Macdonald gibt dem Klassiker 2026 ein dringend benötigtes Update. Die Modern Smokey Eyes sind weniger "Panda-Auge" und mehr "Grunge-Goddess". Die Farben sind in rauchigen Braun- und Grautönen gehalten, die weich verblendet werden, aber eine scharfe Definition am unteren Wimpernkranz behalten. Begleitet wurde der Look auf dem Runway oft von einem extremen Wet-Look der Haare.
Der Profi-Trick: Verzichte auf harte Kajalstifte. Nutze stattdessen cremige Lidschatten, die du mit den Fingern verblendest. Es darf ruhig ein bisschen "unordentlich" wirken – das macht die Modernität aus.
5. Melting Lipliner bei Labrum

Labrum hat in London für einen der diskussionswürdigsten Trends gesorgt: den Melting Lipliner. Vergiss die perfekt umrandeten Lippen der 90er Jahre. In dieser Saison verschwimmen die Grenzen.
Der Lippenstift oder Liner wird im Zentrum der Lippen konzentriert und nach außen hin sanft verblendet, sodass die Konturen fast mit der Haut verschmelzen. Farbwahl: Besonders gut funktioniert dieser Trend in tiefen Beerentönen, Schokoladenbraun oder einem verwaschenen Rostrot. Es ist die perfekte Wahl für alle, die dunkle Lippenfarben lieben, aber die harte Kante eines klassischen Lippenstifts scheuen.
6. Glossy Eyeshadow bei Karoline Vitto

Bei Karoline Vitto war das Make-up ein Fest der Reflexion. Glossy Eyeshadow ist der Trend für alle, die im Winter buchstäblich strahlen wollen. Statt matter Puder-Lidschatten sahen wir auf den Lidern der Models ein hochglänzendes Finish, das fast wie flüssiges Glas wirkte. In Kombination mit metallisch schimmernder Kleidung entstand ein Look, der zwischen High-Tech und Elfenhaftigkeit changiert.
Die Umsetzung: Es gibt spezielle Eye-Glosse, die nicht kleben. Wer mutig ist, trägt darunter einen Hauch von Pfirsich- oder Rosétönen, um den Augen eine frische Wärme zu geben. Kombiniert mit nach hinten gekämmtem Haar (Slick-Back), liegt der gesamte Fokus auf der Leuchtkraft der Augen.





