Interview

Designer Kilian Kerner im Interview: "Ich bin vielleicht nicht so, wie die Norm es erwartet, aber ich bin okay"

Wir haben Designer Kilian Kerner bei der Berlin Fashion Week backstage getroffen, wo er uns tiefere Einblicke in seine neue Kollektion "GANGSTAAA" gegeben hat. Zwischen Runway-Vorbereitungen und Blitzlichtgewitter sprach er mit uns über mutige Regelbrüche und sein spektakuläres Show-Opening.

Kilian Kerner und GNTM-Daniela© PR
Designer Kilian Kerner präsentiert bei der Berlin Fashion Week ein spektakuläres Highlight! Inspiriert vom Film "Wuthering Heights" eröffnet GNTM-Star Daniela in einem ganz besonderen Look.

Zwischen fliegenden Stoffen, dem Geruch von Haarspray und der knisternden Energie kurz vor dem Runway haben wir Kilian Kerner zur Berlin Fashion Week getroffen. Nach seiner emotionalen DDR-Kollektion im letzten Jahr schlägt er 2026 andere Töne an: Mit "GANGSTAAA – A Game of Your Own Rules" feiert er die Unangepassten und diejenigen, die ihr Leben nach eigenen Regeln gestalten. Wir haben mit ihm über den dramatischen Auftakt seiner Show, den schmalen Grat zwischen Kunst und Marketing und seine ganz persönliche Definition von "Gangstaaa" gesprochen.

GRAZIA: Kilian, du eröffnest deine Show mit einer Hommage an "Wuthering Heights – Sturmhöhe". Warum war genau diese Geschichte der perfekte Startschuss für deine neue Kollektion?

Kilian Kerner: Das Lustige ist, dass meine Kollektion wie ein Film erzählt wird – in zwei Teilen: der erste in Berlin und der zweite in Paris. Dann kam die Anfrage, ob ich ein Special zu diesem neuen Film "Wuthering Heights – Sturmhöhe" mit Jacob Elordi und Margot Robbie machen will. Ich dachte mir: Natürlich mache ich das! Ich finde die beiden großartig. Ich habe mich von dem Film inspirieren lassen, durfte Trailer und Kostümbilder sehen und habe mir dann vorgestellt: Wie würden die beiden auf eine Filmpremiere gehen, wenn ihre Outfits vom Film inspiriert wären? Das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht und so ist dieses Opening-Happening vor meiner eigentlichen "GANGSTAAA"-Show entstanden.

Letztes Jahr war es mit der DDR-Thematik extrem emotional und politisch. Dieses Jahr heißt es "GANGSTAAA". Ist das deine Art, nach der schweren Thematik etwas Lockereres anzugehen?

Ich nehme mir nie vor, eine "emotionale" oder eine "witzige" Kollektion zu machen. Ich bin dann politisch, wenn ich das Gefühl habe, ich muss etwas sagen. Diesmal kam das Thema "GANGSTAAA" mit diesen drei "A" am Ende ganz bewusst, weil die Kollektion viel Humor hat und mit einem Augenzwinkern zu sehen ist. Es geht nicht darum, Gangster oder Verbrechen zu glorifizieren. Es geht darum, Menschen zu feiern, die für sich einstehen, die nach ihren eigenen Regeln spielen und sich ihr Leben so aufbauen, wie sie es wollen – ohne dabei anderen zu schaden. Es geht um Selbstakzeptanz: "Hier bin ich, so bin ich, und so muss man mich akzeptieren".

Was macht für dich einen wahren "Gangstaaa" in der Modewelt von heute aus – ist es jemand, der sich nicht an Regeln hält?

Mein "Gangstaaa" ist jemand, der sich sein eigenes Regelwerk baut, aber immer mit dem Grundsatz: Ich verletze niemanden. Ich bin auch so ein Mensch, ich stelle für mich selbst Regeln auf – natürlich immer im Kompromiss mit meinen Liebsten. Ich habe in meinem Leben sicher nicht immer alles richtig gemacht, aber ich bemühe mich. In der Mode braucht es dieses Selbstbewusstsein, auch mal eine Außenseiterposition einzunehmen und zu sagen: "Ich bin vielleicht nicht so, wie die Norm es erwartet, aber ich bin okay".

In der Kollektion geht es um eigene Regeln. Welche Regel der Modewelt hast du diese Saison ganz bewusst gebrochen?

Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt Regeln gebrochen habe. Ich habe vielleicht einfach nur meine eigenen benutzt. Ich habe mich nicht bewusst hingesetzt und gesagt: "Heute breche ich mal alle Regeln". Vielleicht ist das eher Interpretationssache für das Publikum, was sie am Ende in der Show sehen.

Kilian Kerners BFW Kollektion© PR

Oft werden Regeln gebrochen, nur um aufzufallen. Wann ist Regelbruch für dich Kunst und wann ist es nur lautes Marketing?

Im Marketing gibt es viele Regelbrüche, die ich schwierig finde. Ich ecke ja öfter mal an, aber zum Beispiel der Pride-Monat wird oft so dermaßen für Marketing missbraucht, dass ich das gar nicht mehr ernst nehmen kann. Die hunderte Pride-Kollektion von Marken, die sich den Rest des Jahres überhaupt nicht dafür interessieren – das geht mir richtig auf den Sack. Das ist dann reines Marketing und kein echtes Konzept, das ich unterstütze.

Du hast letztes Jahr mehr "Hand-in-Hand-Arbeit" von der Berlin Fashion Week gefordert. Hat sich die Einstellung der Organisatoren dir gegenüber seit unserem letzten Gespräch verbessert?

Ach weißt du, Danny und ich, wir sind ja jetzt quasi die letzten beiden, die von Collective Four noch übrig geblieben sind. Wir machen unser eigenes Ding. Wenn man die Location sieht und wie viel Liebe und Kraft hier im Neuland Berlin drinsteckt – ich glaube, es ist gut, wenn wir uns einfach umeinander kümmern und alles andere egal ist.

Vielen Dank, Killian!