Von der Natur zur Nadel: Danny Reinke über seine Kollektion „Nominous“

Mit seiner neuen Kollektion „Numinos“ setzt Danny Reinke auf der Berlin Fashion Week ein starkes Zeichen für Entschleunigung und tiefes Handwerk. 

Danny Reinke im Atelier© PR
Wir haben Designer Danny Reinke kurz vor seiner Show auf der Berlin Fashion Week backstage zu seiner neuen Kollektion interviewt.

Zwischen dem Trubel der Laufstege und dem Blitzlichtgewitter der Berlin Fashion Week wirkt Danny Reinke wie ein ruhender Pol. Der Berliner Designer ist bekannt für seine tiefe Naturverbundenheit und ein Handwerk, das in der heutigen Zeit fast wie ein heiliger Protest gegen die Schnelllebigkeit wirkt. Wir haben mit ihm über seine neue Herbst/Winter-Kollektion „Nominous“  Mode gesprochen.

GRAZIA: Jede Kollektion hat einen emotionalen Kern. Welches Gefühl oder welches Bild hattest du als allererstes im Kopf, als du angefangen hast, an diesen Looks zu arbeiten?

Danny Reinke: Ich habe in den letzten Monaten viel Heilung in der Natur gefunden. Ich meine, wirtschaftlich, politisch – unsere Welt ist ein bisschen ins Schwanken gekommen. Ich habe mich sehr viel in der Natur nach unserer letzten Sommerkollektion aufgehalten und war irgendwie so inspiriert und motiviert, dem Thema nachzugehen. Dann bin ich auf den Begriff „Nominous“ gestoßen und habe daraufhin die Kollektion entwickelt.

Du bist bekannt für dein unglaubliches Handwerk. Welches Teil in deiner aktuellen Kollektion hat dich die meisten Nerven (oder schlaflosen Nächte) gekostet?

Ich habe diese Saison tatsächlich das allererste Mal angefangen, meinen eigenen Stoff zu weben. Wir haben ein Kleidungsstück dabei, an dem wir fast drei Monate lang gesessen haben und das hat uns einige Nerven gekostet.

Wenn du eine Person – egal ob lebendig oder tot – für einen Abend einkleiden dürftest: Wer wäre es?

Mein All-Time-Favorite: Dua Lipa.

Was ist das unmodischste Kleidungsstück, das du selbst besitzt, aber niemals wegwerfen würdest?

Mittlerweile Jeanshosen. Stoffhosen sind deutlich bequemer, vor allem beim Arbeiten. Ich liebe Jeanshosen und trage sie immer gerne, aber ich merke: Irgendwann zwickt der Bund.

Das Thema Slow Fashion wird immer interessanter. Wie würdest du jemanden, der auf Fast Fashion setzt, überzeugen?

Überzeugen finde ich immer schwierig, das muss jede Person im eigenen Gedankengang integrieren. Ich mache gerne den Vergleich „Cost-per-Wear“ auf. Wenn man im Kleiderschrank vergleicht, wie viel Geld man in Fast Fashion investiert – auch wenn es günstig erscheint – macht es die Masse aus. Die Qualität ist so minimiert, dass viele Teile nach drei- bis viermal Tragen nicht mehr dem Standard entsprechen und aussortiert werden müssen. Wenn man sich überlegt: Ich investiere lieber einmal in ein teureres Kleidungsstück und kann davon mehrere Jahre zehren, dann ist das eigentlich ein schöner Vergleich.