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Finanztipps 2022: So viel Geld solltet ihr monatlich sparen – laut Expertin

So viel Geld solltet ihr monatlich sparen – laut Expertin

Der Umgang mit den eigenen Finanzen schafft Selbstbewusstsein und mit simplen Tipps und Tricks können wir beim Sparen bereits Großes bewirken. Wir haben mit Klarna-Expertin Karo Bliemegger über all das gesprochen.

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Sich mit seinen eigenen Finanzen zu beschäftigen, ist unheimlich wichtig. In unserem Interview mit Klarna-Expertin Karoline Bliemegger erfahrt ihr deshalb mehr

Wer in den Supermarkt geht oder auf seine Rechnungen schaut, der hat das Gefühl, die Preise explodieren derzeit. Aber nicht nur um die aktuelle Inflation zu verkraften, sondern einfach, weil Frauen sich mit ihren eigenen Finanzen auskennen sollten, haben wir mit Klarna Produktmanagerin & Finanzexpertin Karo Bliemegger genau über dieses Thema gesprochen. Was wir monatlich beiseitelegen sollten und warum ein Spaß-Budget so wichtig ist, hat sie uns beim "Smoooth Sparen Event" des schwedischen Zahlungsanbieters exklusiv verraten. Außerdem: Karo holt uns beim Thema Altersarmut und dem wichtigen Notgroschen ab – auf geht’s.

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Unsere Expertin
Karo Bliemegger

Klarna Produktmanagerin & Finanzexpertin

1. Wann hast du selbst mit dem Sparen angefangen und dich ganz konkret mit Geld beschäftigt?

Das erste Mal habe ich mich schon während des Studiums mit diesem Thema auseinandergesetzt, als ich meinen ersten eigenen Job hatte. So wirklich, sodass ich mich tiefer damit beschäftigt habe, wie viel ich für fixe und variable Kosten ausgeben soll, das war bei mir, als ich für meinen ersten, sehr wichtigen Job nach Schweden gezogen bin. Da musste ich mich auch einfach notgedrungen mit allem auseinandersetzen – von dem Thema 'was brauche ich für Versicherungen', 'was soll übrig bleiben' bis hin zu 'was will ich beiseitelegen'. Da bin ich dann etwas tiefer eingestiegen, aber das Ganze ist natürlich ein Prozess.

2. Wie wichtig ist es, finanziell unabhängig zu sein und das Thema Geld selbst in die Hand zu nehmen?

Das ist für mich wahnsinnig wichtig, weil Geld ist einfach ein großer Bestandteil unseres Lebens und ohne geht es auch einfach nicht. Für mich ist finanzielle Unabhängigkeit und auch zu wissen, dass ich auf meinen eigenen Beinen stehen kann, etwas, das zu meinem Selbstvertrauen beiträgt – unabhängig davon, was das Leben für mich bereit hält. Und dann beschäftige ich mich auch einfach gerne mit Finanzen, weil es für mich einen sehr positiven Effekt hat und den Glauben in mich selbst stärkt..

3. Wie viel Geld sollte man monatlich sparen? Was ist deine Empfehlung?

So in etwa sagt man 10 Prozent. Dieser Wert taucht auch in Studien auf, wenn man Leute befragt. Bei manchen ist es sogar etwas mehr – bis zu 12 Prozent legen einige auf die Seite. Anfangs ist es gut, das Ganze erst einmal wie einen Notgroschen anzusparen. Das bezeichnet man auch als "Rainy Day Fund". Es ist also für Zeiten, in denen mal etwas passiert, mit dem man nicht rechnet. Die Höhe des Betrags ist natürlich individuell. Je nach Risikoeinstellung kann er beispielsweise drei Nettogehälter betragen, aber natürlich auch mehr. Wenn dieser Notgroschen dann befüllt ist, ist es gut, das Geld, das man spart, zur Seite zu legen oder auch zu investieren.

Es empfiehlt sich außerdem, auch für mittelfristige Dinge um die zehn Prozent zu sparen. Das kann dann für einen Urlaub sein, ein neues Fahrrad, das man gerne hätte oder ein neuer Laptop, den man braucht. Einfach etwas, das man nicht direkt aus der Portokasse zahlen kann, sondern für das man etwas sparen muss.

4. Wir in der GRAZIA-Redaktion haben natürlich eine Schwäche für Fashion. Wie viel Geld kann man deiner Meinung nach monatlich fürs Shopping ausgeben?

Also, was ganz wichtig beim Thema Sparen und Investieren ist, ist ein Spaß-Budget. Dafür plant man auch ungefähr 10 Prozent des Monatsgehaltes ein. Dann ist natürlich jedem selbst überlassen und abhängig vom persönlichen Interesse, wie du dieses Geld ausgibst. Wenn du dich einfach sehr gerne mit Mode und Kleidung beschäftigst und es dir ein gutes Gefühl gibt, dann gibst du es dafür aus. Andere sagen Beauty ist vielmehr etwas für sie und gehen gerne zur Gesichtsbehandlung, Pediküre und Maniküre oder kaufen sich neue Produkte – dann gibst du es dafür aus. Denn wie gesagt, neben dem Ganzen Investieren und Sparen ist es einfach wahnsinnig wichtig, auch ein Spaß-Konto zu haben.

5. Welche 3 Dinge sollten jede Frau über Finanzen wissen?

Das Erste ist: Jeder kann das! Ich glaube, dass viele Frauen dazu tendieren, in einen Perfektionismus zu verfallen und denken, nur wenn ich alles bis ins kleinste Detail weiß und mich zu 100 Prozent auskenne, kann ich loslegen. So ist es aber nicht. Du musst keine Finanz-Professorin sein, um dich mit deinen Finanzen auseinanderzusetzen. Loslegen ist also das Allerwichtigste!

Und dann sollte man sich mit seinen Ausgaben beschäftigen. Also: Wofür gebe ich Geld aus? Habe ich Schulden? Wo kommt bei mir aber auch Geld rein? Und dann sollte man sich fixe und variable Kosten anschauen und wirklich im Kopf haben, was die eigenen Ausgaben sind. Dann kann man auch schauen, wenn eine neue Ausgabe hinzukommt, geht das noch oder nicht.

Außerdem sollte man seine Ziele kennen: Was will ich erreichen? Wohin will ich gehen? Wofür will ich das Geld, was ich jetzt zur Seite lege, verwenden? Nur dann bleibt man eben auch konsequent.

6. Aktuell explodieren die Preise im Supermarkt, beim Wohnen und Co.! An welchen Ecken können wir jetzt am einfachsten sparen, um diese Preissteigerungen besser zu verkraften?

Eine Art indirektes Sparen, was ich jetzt aktuell schon gemacht ist, ist es, die monatlichen Raten für Gas, Strom und Co. anzupassen, denn hier wird nun einmal alles teurer. So habe ich im nächsten Jahr keine böse finanzielle Überraschung.

Ein weiterer Punkt, den ich bereits angesprochen habe, ist, seine Ausgaben zu kennen. So sehe ich nämlich auch, wo es ein Sparpotenzial gibt.

Zudem sollten Impulskäufe stärker hinterfragt werden. Warum habe ich in der Sekunde etwas gekauft, ohne dass ich es länger geplant habe? Das sind oft auch Sachen, die man tendenziell eher ansparen kann.

7. Was sind deine ganz persönlichen Spar-Tipps und Tricks, die du mit uns teilen kannst?

Mein Tipp: Spare am Anfang des Monats, sodass das Geld direkt weg ist. Ich habe es bei mir als einen Dauerauftrag eingerichtet. Ich sehe dieses Geld reell gar nicht auf meinem Konto, da es sofort abgebucht wird. Ein weiterer Tipp wäre es, seine Steuererklärung zu machen. Ich habe gelesen, dass es 900 bis 1000 Euro sind, die jeder jedes Jahr im Schnitt wiederbekommen kann. Das machen 20 bis 30 Prozent der Leute einfach nicht und das ist dann natürlich verschenktes Geld. 

8. Was sind die größten Fehler beim Sparen?

Der erste Fehler ist, wenn du Schulden hast, diese nicht zuerst zu begleichen. Es bringt nichts, dann zuerst zu sparen, weil du zahlst meistens bei einem Kredit oder dem Überziehen deines Kontos mehr, als du beim Sparen raus hast.

Ein weiterer Fehler, den ich oft höre, ist das Sparen, wenn etwas heruntergesetzt ist. Okay, du sparst hier gerade 20 Prozent. Wenn du es aber für eine Sache ausgibst, die du eigentlich nicht brauchst, sparst du nichts. Du gibst dann vielleicht 80 Prozent anstatt 100 Prozent aus, aber du solltest nicht auf den Trick reinfallen, Dinge zu kaufen, nur weil sie gerade günstiger sind.

9. Altersarmut ist ein großes Thema, das einem Angst machen kann. Wie können Frauen sich vor dieser schützen?

Es ist einfach ganz wichtig, dass man sich mit seinen Finanzen auseinandersetzt und man nicht diese "Vogel-Strauß-Taktik" anwendet und sagt: 'Ich kenne mich da einfach nicht aus und weiß nicht, was man machen soll.'

Dann gibt es verschiedene Tool, die die eigene Rentenlücke berechnen. Das habe ich selbst auch schon gemacht, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was bedeutet das eigentlich für mich, dass ich für mein Alter vorsorgen muss. Das ist auch für jeden etwas anderes. Ich muss mich dann damit auseinandersetzten, wie ich im Alter leben will, ob ich arbeiten will und was meine monatlichen Kosten sind. Dann ist das nicht mehr so ein abstraktes Thema, sondern wird konkreter. Das kann ich sehr empfehlen und es lässt sich auch in ein bis zwei Stunden erledigen und ist nicht zu zeitintensiv.

Man sollte dann auch bewusst mit der aktuellen Situation umgehen und schauen: Wie gestalte ich meine Arbeitswelt? Will ich weiterarbeiten? Die Themen der Altersvorsorge sollte man auch auf diese Planung beziehen, dazu zählt auch die Option der Teilzeitarbeit. Man sollte sich fragen, wie man das am besten handhabt, damit es später bei der Rente auch für einen passt.

10. Braucht man unbedingt einen Notgroschen und wie hoch sollte dieser sein?

Der Notgroschen ist für unvorhergesehen Kosten, die doch etwas höher sind wie beispielsweise eine defekte Waschmaschine oder ein kaputtes Fahrrad. Diese Dinge kann man dann nicht unbedingt direkt vom Girokonto bezahlen und dafür hat man dann ein separates Konto, auf dem Geld jederzeit zur Verfügung liegt, damit du solche Dinge im Notfall bezahlen kannst.

Wenn es um die Höhe des Notgroschens geht, dann empfiehlt man ungefähr drei Netto-Einkommen. Das kann aber natürlich, wenn man risikoaverser ist, auch etwas höher sein. Aber es sollte auf jeden Fall ausreichend sein, damit man, wenn es einmal hart auf hart kommt, auf etwas zurückgreifen kann.

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