Interview mit Nadine Küster: Die Generalsekretärin von Danone über weibliche Führung und Nachhaltigkeit

Interview mit Nadine Küster: Die Generalsekretärin von Danone über weibliche Führung und Nachhaltigkeit

Sie hat es die Karriereleiter ganz nach oben geschafft: Nadine Küster. Und die Generalsekretärin von Danone hat uns im großen GRAZIA-Interview einiges über ihre Arbeit als Führungskraft, ihre Karriere und das Thema Nachhaltigkeit offenbart.

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Die Generalsekretärin von Danone, Nadine Küster, stand uns im großen GRAZIA-Interview Frage und Antwort und offenbarte Insides über ihre Arbeit als Führungskraft, gab Tipps für die Karriere und sprach mit uns über das wichtige Thema Nachhaltigkeit

Frauen in Führungspositionen sind nach wie vor unterrepräsentiert – im Jahre 2021 waren es gerade einmal 24,6 Prozent in Deutschland (Stand: Oktober 2021). Wir sind der Meinung: Das muss sich ändern! Noch viel häufiger sollten Unternehmen ihr Vertrauen in Frauen stecken, da sie unter anderem für Erfolg, Beständigkeit und Nachhaltigkeit einstehen.

Ein tolles Beispiel dafür ist Nadine Küster, Generalsekretärin des Lebensmittelunternehmens Danone, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit, Nachhaltigkeit und Recht von Danone D-A-CH – und das seit über fünf Jahren. Wenn jemand weiß, wie man sich als Frau durchsetzen kann, dann sie! Und im großen GRAZIA Talk hat uns Nadine Küster so einiges über weibliche Führung verraten, Tipps rund um eine erfolgreiche sowie glückliche Karriere gegeben und uns hinter die Kulissen von Nachhaltigkeit in Großunternehmen mitgenommen. 

1. Was unterscheidet Deinen Führungsstil bei Danone von anderen?

Mir wird oft zurückgespielt, dass meine Art, mein Team zu führen, außergewöhnlich ist. Wenn ich dann frage, woran das liegt, sind es meist Dinge, die mir selbstverständlich erscheinen. In meinen Augen ist es meine primäre Aufgabe als Vorgesetzte, für mein Team ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem jede und jeder Einzelne mit Engagement sein Bestes gibt. Dazu gehört, jedem Vertrauen und Respekt zu schenken, erreichbar zu sein und auch sehr viel Einfühlungsvermögen. Und nicht zuletzt sollte jeder im Job auch einfach mal Spaß haben. Beispielsweise bei einer gemeinsamen sportlichen Aktivität, einem gemeinsamen Frühstück im Büro oder auch mal einem Getränk nach Feierabend.

Mein Team ist über viele Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz verstreut. Und seit Beginn der Pandemie vor 2 Jahren arbeiten alle vorwiegend von zuhause. Das Leiten eines remoten Teams bringt für mich viele Herausforderungen mit sich. Der Schlüssel zum erfolgreichen Leiten eines remote Teams ist aus meiner Sicht die richtige Mischung aus Flexibilität und Disziplin.

Unabdingbar ist aus meiner Erfahrung aber auch, dass man sich regelmäßig persönlich trifft. Ich nutze diese gemeinsame Zeit mit dem gesamten Team, um Erfolge zu feiern und an unseren Teamzielen zu arbeiten. Dies baut Respekt und Vertrauen unter den KollegInnen auf und man wächst als Team zusammen. Außerdem kann man bei diesen Gelegenheiten auch mal vertrauensvoll über Dinge reden, die nichts mit dem Job zu tun haben.

2. Welche Tipps würdest Du Frauen geben, die noch am Anfang der Karriereleiter stehen?

Mir sind im Laufe meines Berufslebens einige Frauen begegnet, die nahezu krampfhaft ein Karriereziel verfolgt haben. Sei es, in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Position innezuhaben oder gehaltsmäßig ein bestimmtes Level zu erreichen. Ich hatte oft das Gefühl, dass es ihnen eher ums Prinzip ging, als darum, eine Rolle zu haben, die tatsächlich zu ihnen passt. Oft führt das zu Frustration, Unzufriedenheit und in manchen Fällen auch zu Misserfolg. Außerdem werden meines Erachtens dadurch viele Chancen und Möglichkeiten verpasst. Es ist gut und wichtig, sich Ziele zu setzen. Aber ich habe gelernt, dass es besser ist, sich nicht zu versteifen, sondern mutig, flexibel und offen zu bleiben und die eigenen Ziele mit jeder sich bietenden Möglichkeit zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen.

Ich werde oft gefragt, wie ich meine Karriere angegangen bin. Drei Dinge waren für mich wesentlich:

  1. Erstens: immer offen für Neues bleiben, mich ausprobieren, hin und wieder die Komfortzone verlassen.
  2. Zweitens: Ein Job, der Spaß macht und mich ausfüllt, ist wichtiger als eine bestimmte Zahl auf dem Gehaltscheck oder das Managerlevel.
  3. Und drittens: Ein Job ist ein Job. Egal, wie viel Spaß er mir bringt oder wie sehr ich für ein Unternehmen brenne: Fällt er weg, wird sich immer eine neue Chance auftun. Davon bin ich überzeugt.

3. Wie sieht Dein beruflicher Alltag aus? Magst Du Deinen Tagesablauf bei Danone in ein paar Sätzen skizzieren?

Mit meinem Team von mehr als 30 KollegInnen kümmere ich mich um die Unternehmenskommunikation, die Öffentlichkeitsarbeit, Themen im Bereich Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung sowie Ernährungswissenschaften, Krisenmanagement, Recht und Compliance. Die Verantwortung ist groß und die Aufgaben vielseitig. Einen klassischen Arbeitsalltag gibt es für mich daher nicht. Jeder Tag bringt neue Aufgaben mit sich: Mal beantworten wir Medienanfragen, mal diskutieren wir mit VertreterInnen aus Politik, Wissenschaft und NGOs. Außerdem entwickeln wir Kommunikationskampagnen mit unseren KollegInnen aus den anderen Unternehmensbereichen, wie beispielsweise Marketing. Oder unterstützen die Entwicklung von neuen Produkten mit unserer Expertise im Bereich Ernährung, Nachhaltigkeit und Produktrecht. Und das ist nur ein kleiner Teil. Neben den inhaltlichen Themen gehört das klassische Managen auch mit zu meinen Aufgaben: Ich kümmere mich um sämtliche Themen rund um mein Team, sorge dafür, dass Pläne und Berichte erstellt werden und verwalte das Budget. Außerdem repräsentiere ich unsere Abteilung in der Geschäftsführung.


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4. Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema für Dich, doch Führung eines so großen Unternehmens wie Danone bedeutet oftmals auch, zu wachsen und immer mehr zu erreichen. Wie schaffst Du es, diese vermeintlichen Gegensätze zu verbinden?

Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg von Unternehmen wie Danone stehen für mich nicht im Gegensatz. Wie unsere Unternehmensvision "One Planet. One Health." zum Ausdruck bringt, sind für uns die Gesundheit der Menschen und die Gesundheit unseres Planeten Erde untrennbar miteinander verbunden. Wir haben uns hohe Ziele gesetzt, einen positiven Einfluss für ein gesünderes Leben zu haben und dabei die Ressourcen des Planeten bestmöglich zu erhalten. So fördern wir beispielsweise eine bewusste flexitarische Ernährungsweise und unterstützen KonsumentInnen durch das Kennzeichnungssystem Nutri-Score auf unseren Verpackungen bei der Wahl der geeigneten Produkte im Alltag. Hierzu könnte ich noch zahlreiche weitere Beispiele aufzählen.

Wir agieren weltweit in mehr als 120 Ländern, erreichen mit unseren Produkten und Services Millionen von Verbrauchern und interagieren mit Meinungsbildnern aus Politik, Wissenschaft oder NGOs. Dadurch können wir einen Unterschied machen und tatsächlich etwas bewegen.

5. Besonders große Food-Unternehmen haben im Bereich Nachhaltigkeit einen schlechten Ruf. Danone will bis spätestens 2025 weltweit B-Corp-zertifiziert sein, doch was sagt dieses Zertifikat wirklich aus?

B Corp ist ein weltweites Netzwerk von Firmen, die nicht mehr das beste Unternehmen der Welt, sondern das beste Unternehmen für die Welt sein wollen. Die B Corp-Zertifizierung zeigt transparent, wo wir mit unserem sozialen und ökologischen Engagement sowie im Hinblick auf die Unternehmensführung stehen.

Konkret bedeutet B Corp für Danone, dass wir die Art und Weise verändern, wie die Lebensmittel und Getränke unserer Hauptmarken gestaltet und produziert werden, indem wir etwa die Zahl der Inhaltsstoffe reduzieren und neue Produktlinien vorschlagen. Wir verpflichten uns auch zur Förderung der Kreislaufwirtschaft, zur Wassereinsparung, zur Reduzierung von Abfall, zur Verringerung des CO2-Ausstoßes, zur Förderung des Tierschutzes und zu Investitionen in die Gemeinschaft. Unser Ziel ist es, wie von Ihnen erwähnt, bis 2025 unternehmensweit vollständig zertifiziert zu sein.

6. Lebensmittel und Plastik kommen längst noch nicht ohneeinander aus – wie willst Du Deinen Einfluss bei Danone nutzen, um das künftig zu ändern?

Die Verpackungen unserer Lebensmittel zu optimieren und dabei die Umwelt zu schonen und die Einführung einer Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen, ist ein wichtiges und globales Unternehmensziel von Danone. In diesem Zuge haben wir uns beispielsweise das Ziel gesetzt, Verpackungen anzubieten, die die genutzten Materialien zu 100 Prozent im Kreislauf halten. Dies bedeutet, dass wir unnötige Verpackungen eliminieren. Alle benötigten Verpackungen sollen bis 2025 zu 100 Prozent wiederverwertbar oder recycelbar sein. Und wir wollen sicherstellen, dass das von uns genutzte Material Teil der Kreislaufwirtschaft bleibt und niemals zu Abfall wird oder die Umwelt verschmutzt. Das können wir nicht allein schaffen. Deshalb liegt uns gerade bei diesem Thema die Aufklärung der VerbraucherInnen sowie der Austausch mit unterschiedlichen Stakeholdern wie Verbänden, der Politik, NGOs sehr am Herzen.

7. Du sitzt an der Quelle: Wie wichtig wird vegane/vegetarische Ernährung in der Zukunft sein?

Pflanzenbetonte Ernährung und somit auch der Markt für pflanzliche Lebensmittel werden weiterhin an Bedeutung gewinnen. In der Vergangenheit haben sich die VerbraucherInnen überwiegend aufgrund besonderer Ernährungsbedürfnisse und Unverträglichkeiten für pflanzliche Produktalternativen entschieden. Mittlerweile ist die flexitarische/pflanzenbetonte Ernährung mehr als ein Trend und pflanzliche Produktalternativen ein fester Teil der Ernährungsgewohnheiten vieler. Letztendlich treffen wir, wann immer wir am Lebensmittelregal nach einem Produkt greifen, auch eine Wahl für uns und für die Welt, in der wir leben wollen. Sich flexitarisch zu ernähren und damit öfter bis überwiegend auf pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Nüsse etc. zurückzugreifen, kann erwiesenermaßen einen positiven Einfluss auf unsere Gesundheit und die Umwelt haben. Und dies sorgt außerdem auch für eine größere Vielfalt – sowohl in Bezug auf die Produkte, als auch in Bezug auf den Geschmack. Wir bei Danone fördern deshalb bewusste Essgewohnheiten und einen Ernährungswandel hin zu mehr Nachhaltigkeit, um so einen Beitrag zur Gesundheit der Menschen und der Erde zu leisten.

8. Ich habe gelesen, dass Du nicht unbedingt der Frühstücksmensch bist, dafür aber gerne zu Mittag isst und Dir sogar die Zeit nimmst, etwas zu kochen. Wie wichtig ist Dir ein gesunder Lebensstil fernab von Deiner Arbeit bei Danone?

Ein gesunder Lebensstil ist mir sehr wichtig. Für mich hat das viele Facetten. Ich treibe viel Sport, um körperlich fit zu bleiben. Versuche, mich gesund und ausgewogen zu ernähren – dabei spielen pflanzliche Produkte für mich eine große Rolle, aber auch Nachhaltigkeit. Ausreichend Schlaf, tagsüber genug Wasser zu trinken und genügend Pausen im täglichen Meetingmarathon einzuplanen sind ebenfalls Dinge, die mir sehr wichtig sind. Es stimmt, ich frühstücke eher selten. Das hängt damit zusammen, dass ich seit einigen Jahren überzeugte Intervall-Fasterin bin. Die Essenspausen von 14 bis 16 Stunden an ein paar Tagen pro Woche tun mir gut und helfen mir, fit zu bleiben. Nach einem Fastenintervall habe ich immer Lust, mich mit einer gesunden und leckeren Mahlzeit zu belohnen. Das kann mal ein leckeres belegtes Vollkornbrot sein, mal ein reichhaltiges Müsli mit Früchten, Nüssen und unserem leckeren Alpro Haferdrink Ohne Zucker oder eine Bowl mit einem frischen Topping, da greife ich dann auch gerne zu unserer pflanzlichen Soja-Joghurtalternative von Alpro Ohne Zucker. Joghurt oder pflanzliche Joghurtalternativen sind übrigens ein absolutes Muss in meinem Kühlschrank.


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9. In einer Führungsposition ist man häufig großem Stress ausgesetzt – was tust Du, um davon abzuschalten und in Balance zu bleiben?

Regelmäßige Pausen im Alltag einzuplanen und mir bewusst Zeit für mich selbst zu nehmen, ist mir sehr wichtig. Ihr findet mich dann zum Beispiel beim Yoga, auf dem Fahrrad oder an kalten Tagen sehr gerne auch mal in der Sauna oder der Badewanne. Ansonsten bin ich ein sehr geselliger Mensch und verbringe sehr gerne viel Zeit mit meiner Familie und Freunden. Auch da spielt ausgewogene und bewusste Ernährung eine wichtige Rolle: zunächst, weil ich gerne für andere koche, aber auch, weil aufgrund meines Jobs bei Danone oft Diskussionen über Ernährungsthemen aufkommen. Da versuche ich dann beispielsweise, auch Familie und Freunde dazu zu bringen, öfter mal zu pflanzlichen Alternativen zu greifen. Sie sind dann meist über die Vielfalt an Produkten und deren Geschmack überrascht.

10. Welchen Vorsatz hast Du Dir 2022 für ein gesünderes und nachhaltigeres Jahr gesetzt?

Eigentlich bin ich gar kein Freund von Vorsätzen fürs neue Jahr. Viel zu oft sind diese zu ambitiös und werden schnell wieder verworfen. Daher möchte ich lieber an dem anknüpfen, was letztes Jahr schon gut für mich funktioniert hat. Weiterhin flexitarisch ernähren und einfach noch mehr an Produkten und Rezepten ausprobieren, um den Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln weiter zu erhöhen. Bewusst einkaufen, um Verpackungsmüll und Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Und natürlich auch versuchen, meine Mitmenschen positiv zu beeinflussen, sei es durch meinen Job bei Danone oder privat, damit es ihnen auch leichter fällt, für sich gesündere und nachhaltigere Entscheidungen zu treffen.

Unser Tipp für eine gesunde Ernährung à la Nadine Küster: Alpro eröffnet im März in Berlin für einen Monat ein Pop-Up Café namens Leckerland. Statt typischer Süßspeisen erwarten euch dort Leckereien mit weniger Zucker und pflanzlichen Alternativen, die mindestens genauso lecker schmecken. Dort könnt ihr euch direkt ein wenig Inspiration für eine genussreiche und zugleich gesunde Ernährung holen. Yummy!

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