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Kolumne: Susanne Kaloff "Nein ich möchte keinen Auftragskiller bestellen"

Von Mirjana am Sonntag, 2. Februar 2014 um 12:00 Uhr

Kolumnistin Susanne Kaloff schreibt jede Woche in der GRAZIA über skurrile Altagsmomente. Heute erscheint zum ersten Mal ihre fabelhafte Kolumne online.

... sondern Schnitzel mit Bratkartoffeln. Doch das ist schwieriger, als man denkt, wenn man wie unsere Kolumnistin mit einer dicken Grippe im Bett liegt.

ES KAM PLÖTZLICH, KEINE VORWARNUNG, ICH WACHTE AUF UND FÜHLTE MICH WIE GOLLUM. Das ist dieses glasige Männchen mit Buckel aus "Der Herr der Ringe", das immer so zornig rumspringt. Ich springe nicht rum, sondern liege mit Schüttelfrost und Gliederschmerzen im Bett und staune, wo ich überall Glieder habe. Eine Grippe dauert angeblich sieben bis vierzehn Tage, ziemlich blöde Prognose für jemanden, der frei arbeitet. Wo soll ich denn meine Krankmeldung abgeben? Bei meinem Sohn vielleicht? Der ist auch malade. Wir whatsappen uns von Zimmer zu Zimmer. Wenn man fest angestellt ist, ruft man morgens an und meldet sich krank, man bekommt weiterhin sein Gehalt und bezahlten Urlaub. Wenn man frei arbeitet, bekommt man nix als die Freiheit und die Aufgabe, selbst zu entscheiden, wann es Zeit ist, zu kapitulieren. Versteht man das?

Ich glaube, ich hab Fieber. Was ich sagen will: Es geht doch noch. Ich schreibe doch noch. Vorhin musste ich was recherchieren für eine Geschichte, die ich nicht zu Ende bringen konnte, weil ich gestern an meinem Schreibtisch kollabierte und mich meine Kolleginnen mit großen Augen heimschickten. Ich stieß auf ein Interview mit dem Musiker Paul Kalkbrenner, der sagte, sein Onkel sei Maler, und der wiederum habe mal gesagt: „Ein Maler malt immer. Selbst wenn er nicht vor der Leinwand sitzt.“ Und ich dachte: Eine Schreiberin schreibt immer, auch wenn sie vor dem Laptop zusammenbricht. Als es dunkel wurde, meinte mein Sohn, wir müssten mal was essen. Ich hatte weder Hunger noch die Kraft, einen Topf aus dem Schrank zu holen. Was hätte ich da auch reinfüllen sollen außer Honigbrote?

FÜR DIESES VERGURKTE SCHNITZEL ZAHL ICH DOCH KEINEN PFIFFERLING

Also erteilte ich die Erlaubnis, er könne sich ein Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln bestellen. Da es unsere erste Bestellung bei dem Verein war, erschien folgende Nachricht auf dem Bildschirm: „Hallo Herr Kaloff Susanne, in Kürze wird sich unser Kundendienst mit Ihnen in Kontakt setzen, um Ihre Daten zu bestätigen. Bitte bleiben Sie in der Nähe des Telefons. Sie werden in wenigen Minuten kontaktier (da reichte das Geld wohl nicht für das t am Ende). Vielen Dank, dass Sie unter dieser Nummer erreichbar bleiben.“ Leute, ich hab’s kapiert, don’t move! Keine Sorge, ich kann mich eh nicht bewegen. Ich blieb also in der Nähe des Telefons liegen, das wenig später klingelte. Ein Student auf 400-Euro-Basis fragte alles noch mal ab. Hinter jedem seiner Sätze lag eine so lange Pause, dass ich einnickte. Vielleicht lag es aber auch nur an der langen Leitung. Immerhin war die Distanz des Schnitzelrestaurants und unserem Wohnort mit 3,54 Kilometer angegeben.

Er fragte: „Gibt es noch irgendwelche wichtigen Informationen, die für unseren Fahrer hilfreich sein könnten?“ Nein. „Welche Tür? Links, rechts, Mitte?“ „Bei uns gibt es keine Türen in der Mitte,“ sagte ich. „Ich möchte nur ein Schnitzel mit Bratkartoffeln und keinen Auftragskiller bestellen!“ Das würde eine Stunde dauern. Nach 55 Minuten kam eine riesige Tüte, die aussah wie von Chanel, in der aber weder die Boy-Bag noch Bratkartoffeln lagen. Ich rief bei dem Studenten an und heulte fast: „Ich liege hier mit einer schweren Schweinegrippe danieder, mein Sohn hat Hunger. Kann man für 24,90 Euro nicht erwarten, dass Sie die Beilagen nicht vergessen? Bringen Sie das in Ordnung!“ Eine weitere Stunde später stand eine heisere Frau vor der Tür, und ich hörte, wie sie zu meinem Sohn sagte: „Das macht 24,90!“ Das Gollum sprang aus dem Bett und befahl, dass sie sofort ihren Chef anruft. Sie sagte: „Ich bin’s, die Ramona. Ich steh hier grad beim Kunden, und der sagt, er müsse nicht bezahlen?!“ Wir zahlten selbstverständlich keinen Pfifferling, knallten die Tür zu und öffneten die Box: Es lagen zwei weitere Schnitzel drin. Keine Bratkartoffeln.

 

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