Trend-Farben 2022: Marcel Ostertag erzählt im Interview, worauf es in der kommenden Saison ankommt

Trend-Farben 2022: Marcel Ostertag erzählt im Interview, worauf es in der kommenden Saison ankommt

Wir haben den deutschen Designer Marcel Ostertag auf der Mercedes Benz Fashion Week getroffen und haben für euch alle spannenden Infos zu seiner neuen Kollektion.

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"Wenn wir nachhaltig und zeitlos einkaufen und uns Lieblingsstücke anlegen, die wir immer wieder neu erfinden und vielleicht sogar weitervererben, dann ist Mode für mich nachhaltig." – Marcel Ostertag

Wir sind auf der diesjährigen Mercedes Benz Fashion Week in Berlin unterwegs. An Tag Eins der Modewoche zeigt der deutsche Designer Marcel Ostertag seine neue Kollektion “Salt” im Berliner Ewerk. Kurz vor Einlass haben wir den Kreativkopf exklusiv zum Interview getroffen und ihn nach den neuesten Trendfarben gefragt, herausgefunden, welche ikonischen Teile er jeder Frau ans Herz legt und erfahren, was er von der deutschen Fashion-Branche hält.

Auf was freust du dich am meisten bei deiner neuen Kollektion? Auf welche Neuheiten beispielsweise?

Ich liebe meine Show-Tage, weil hier wahnsinnig viele gute und vor allem unterschiedliche Menschen zusammenkommen. Ich habe einen sehr diversen Cast, bestehend aus Freundinnen, Kundinnen, Musen und Models und das Schönste für mich ist, diesen Tag mit ihnen gemeinsam zu verbringen. Die monatelange Arbeit meines Teams zahlt sich hier aus und das schätze ich sehr.

Deine Kollektion heißt "Salt". Warum?

Die Idee ist im Zuge einer Kooperation mit einer mallorquinischen Salzfirma entstanden und wir durften in deren Salinen eine drei-tägige Foto-und Videoproduktion vornehmen und als ich die Location zum ersten Mal gesehen habe, kam die Idee.

Hast du dort auch Inspiration für die Kollektion gefunden?

In diesem Naturschutzgebiet lebt auch eine Kolonie von Flamingos, dessen Farbe einen großen Einfluss auf die Looks hat.

In deinen Kollektionen spielen Farben eine große Rolle. Welche Trend-Töne können wir erwarten?

Auf dem Laufsteg setze ich den Fokus erstmal auf Flamingo-Pink und Pfirsich-Töne, um dann auf dann auf Weiß, Off-White und Gold zu wechseln – was ich sehr edel im Sommer finde. Ungewöhnliche Neon-Nuancen wie Mint sind auch dabei, um schließlich in ein Dunkelgrün und tiefes Schwarz zu wandern. Das ergibt eine richtig schöne Farbwelle.

Gibts es EINEN großen Trend, den du für Spring/Summer 2023 vorhersiehst?

Der Trend wird alterslos und außergewöhnlich – egal, welche Körperform Frau oder Mann hat. Die Person strahlt durch die Kleidung. In meiner aktuellen Kollektion hat jedes meiner 47 Models seinen eigenen Look, was die Outfits nahbarer macht. Ich möchte damit kommunizieren, dass Mode Spaß machen soll und das feiere ich in meiner Show.

Auf deinen Laufstegen wird das Wort "Diversität" groß geschrieben, obwohl die Modewelt ja sehr langsam verschiedene Körperformen akzeptiert. Was ist dir hier wichtig?

Ich arbeite mit meinen Models oft mehrere Saisonen zusammen, ich mag diesen Family-Vibe einfach. Dieses Mal sind auch meine Musen dabei, das macht den Tag noch emotionaler für mich. Wir haben von ganz jung bis ganz alt dabei: Unser jüngstes Model ist 13 und unser ältestes fast 80 Jahre alt. Ich möchte meine Mode an ganz unterschiedlichen Menschen zeigen, damit auch jede:r aus der äußeren Welt sich vorstellen kann, wie die Kleidung an ihm:ihr aussieht.

Was ist besonders an deiner Mode?

Meine Kollektionen bieten Stücke, die ein Leben lang erhalten bleiben und die nicht nach einer Saison aussortiert werden müssen. Und das ist der Konsum, zu dem ich meine Träger:innen auffordere. Es gibt zum Beispiel Kund:innen, welche noch Stücke aus meiner ersten Kollektion aus dem Jahre 2006 tragen und das zeigt mir, ich habe alles richtig gemacht.

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Kauft euch was Gutes. Kauft euch was Wertvolles. Kauft euch einen Mantel, für den ihr etwas länger sparen müsst, denn er bleibt für immer bei euch.

Das nennen wir nachhaltiges Shoppen! Welche Key-Pieces sollte jede Frau im Kleiderschrank haben?

Auf jeden Fall einen guten Trenchcoat, ein kleines Schwarzes – das kann man stets gut kombinieren – und eine coole Boyfriend-Jeans und… Das klingt vielleicht ein bisschen spießig, aber ich bin ein großer Fan von Schluppenblusen, mit denen kann man prima Styles kreieren. Wenn wir nachhaltig und zeitlos einkaufen und uns Lieblingsstücke anlegen, die wir immer wieder neu erfinden und vielleicht sogar weitervererben, dann ist Mode für mich nachhaltig.

Inwiefern ist deine Brand nachhaltig?

Wir produzieren alles lokal, sprich in Deutschland, Polen, Italien und Österreich. Die Wege sind also kurz und schnell erreichbar. Wir legen einen großen Wert auf die Stoffwahl, die immer qualitativ hoch ausfällt und verarbeiten Naturfasern, weil diese das schönste Tragegefühl bieten. Leder und Pelz gibt es bei uns nicht.

Was bedeutet Berlin für dich. Warum nicht in Mailand, Paris, New York oder London zeigen?

Ich habe sechs Saisonen in New York gezeigt, bin dann aber zurück nach Berlin. Hier sind mein Atelier, meine Heimat und meine Inspirationsquelle. In Berlin haben wir die Möglichkeit, ganz Deutschland ein Gesicht zu geben. Jedoch ist es schwer, sich in der Hauptstadt einen Namen zu machen.

Bei der Mercedes Benz Fashion Week in Berlin werden auch junge Designer:innen ihr Debüt geben. Nach einigen Jahren im Business, was würdest du jungen Talenten raten?

So sehr ich meine Heimat auch liebe … Ich würde allen jungen Talenten raten, aus Deutschland auszuwandern. Für mich war es ein 15-jähriger Kampf, da wir nicht im größten Modeland leben. Wir konsumieren zwar viel Fashion, haben aber keine Ahnung, wie es wirklich funktioniert. Hier ist Mode keine Kultur. Mir war dies zu meinen Anfängen nicht bewusst.

Was wünscht du dir von der Modebranche?

Dass sie die Türen für alle öffnet. Dass sich alle Menschen geborgen fühlen. Dass wir aufhören zu viele Kollektionen zu machen – es reichen zwei Kollektionen im Jahr, wir brauchen nichts dazwischen.

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