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Kolumne: Susanne Kaloff bekämpft ihren Schmerz mit pflanzlichen Drogen & Zucker

Von GRAZIA am Sonntag, 20. April 2014 um 16:00 Uhr

GRAZIA-Kolumistin Susanne Kaloff hat sich in Joaquin Phoenix und einen rückenfreundlichen Schreibtischstuhl verguckt.

Eigentlich wollte ich nur ein paket zur post tragen, aber dann wurde ich Zeugin eines Beziehungsdramas. Ich reichte den in Herzchenpapier und mit Love-Tape verschnürten Karton über den Tresen. Der Postangestellte sagte: „Und, junge Frau, heute Montag, oder wie?“ Äh, ich hatte glatt versäumt, eine Zieladresse draufzuschreiben. Hinter mir wartete ein Paar, sie trug eine orangefarbene Sicherheitsweste und sprach sehr laut über ihr Soll auf dem Konto. Ich starrte auf mein Paket, in dem mein altes iPhone lag, das ich meiner Mama schenken wollte, plus "Advanced Style“ von Ari Seth Cohen, ein Buch, das jede reife Dame besitzen sollte.

Selbst Iris Apple würde man im Apple Store auf die Schulter hauen

Ein paar Tage zuvor war ich wegen des Handys an der Genius Bar im Apple Store und legte mich mit einem Mitarbeiter an, der laut Namensschild Malte hieß. Er sagte, es sei ja wohl normal, dass man auch mit Termin mal zwanzig Minuten warten müsse. „Das müssen Sie beim Arzt doch auch, oder?“ Schlimm war nicht, dass es an dieser Bar keinen Drink gab, sondern sein penetranter Klugscheißertonfall, der verriet, dass er sich nicht im Griff hatte: Er siezte mich, obwohl das Duzen dort doch zum Konzept gehört. Selbst Iris Apple würde man im Apple Store auf die Schulter hauen. Ich antwortete: „Du bist aber nicht Dr. Ross, Malte!“

 

Am Nachmittag kam der Newsletter von Kris Carr (googeln, einer meiner grünen Heldinnen), in dem sie dazu rät, sich einen Faden um den Finger zu binden, um sich zu erinnern: Forget me not. Eine Mala am Handgelenk erfüllt diesen Zweck vielleicht etwas schmückender, aber ein Stück Wolle tut’s auch. An was einen das erinnern soll? Na, daran, zu atmen, komme, was wolle, und zu seinen wahren Absichten zurückzukehren.

Alles besser als die Wärmflasche-mit-Löwengesicht-Lama-decke-Konstruktion

Meine wahren Absichten? Diesen Tag ohne Opium zu überstehen! Es geschah nämlich Seltenes: Ich habe Rückenschmerzen und fühle mich seit ein paar Tagen wie eine hundert Jahre alte Frau. Also tat ich, gekrümmt auf meinem Holzstühlchen sitzend, drei Dinge gleichzeitig: Ich bemühte mich darum, den gepolsterten "Organic Chair“ von Eero Saarinen als Ausstellungsstück zu ergattern, weil er dann nicht so viel kostet wie die "Lucrezia“-Bag von Givenchy. Dann fragte ich, ob ich das organische Kokosfaserbett vielleicht in Raten zahlen könnte, weil sich mein Bett über Nacht in ein schlabberiges Wasserbett verwandelt hat. Drittens rief ich meine Homöopathin an und heulte: „Das Mittel hat alles schlimmer gemacht, ich kann mich nicht mehr beugen. Vielleicht habe ich eine unheilbare Krankheit?“ Sie beruhigte mich und befahl, die verschriebene Hochpotenz von letzter Woche noch einmal einzunehmen. Es ist Silbernitrat, und ich werde wohl gleich an einer Quecksilbervergiftung sterben. Aber alles besser als die Wärmflasche-mit-Löwengesicht-Lama-decke-Konstruktion, die ich seit vierundzwanzig Stunden am Leib trage.

„Stopp! Doch kein Brot, bitte kauf lieber eine Packung Oreo-Kekse!“

Zu meiner Steifheit und dem Outfit kommt unbändiger Hunger auf Zucker hinzu. Ich rief meinen Sohn an, der gerade auf dem Nachhauseweg war und den Auftrag hatte, von seinen letzten Piepen ein Brot zu kaufen. Ich schrie also in das neue Handy: „Stopp! Doch kein Brot, bitte kauf lieber eine Packung Oreo-Kekse!“

 

Letzte Woche war ich in „Her“, dem neuen, fantastischen Film (bis auf ein paar peinliche Stellen, wenn Joaquin Phoenix Sex mit dem Computer hat) von Spike Jonze. Oh Gott, ich glaube, das Silbernitrat hat mich komplett irre gemacht. Ich springe ja total in meinem Text. Was aus dem Pärchen von der Post wurde? Die Frau sagte vor der Tür zu dem Mann: „Und das ist auch der Grund, warum ich mich nicht mehr mit dir treffen will.“ Sie sprang auf ihren Motorroller und beendete die Beziehung mit folgender Weisheit: „Weißt du, gegen schmutzige Fingernägel kann man echt was machen!“ Liebe macht wirklich aus allen Geisteskranke.

 

 

Mehr von Susanne Kaloff gibt es jeden Donnerstag in der neuen GRAZIA & köstlche Green Smoothie Rezepte von Suse haben wir hier für Sie...

 

 

 

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Text: Susanne Kaloff

 

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